Malerische Flusslandschaften am Vormittag, weltberühmte Sehenswürdigkeiten am Nachmittag. Flusskreuzfahrten verbinden Naturerlebnis und Städtereise auf einzigartige Weise. Eine Reise auf der Moldau.
Von Prag nach Dresden sind es mit dem Auto knapp zwei Stunden. Dann hat man außer der Autobahn allerdings nicht viel gesehen. Deutlich schöner ist die Strecke auf dem Wasser, nämlich der Moldau. Die französische Reederei Croisi Europe bietet eine Tour auf Tschechiens längstem Fluss mit einem ganz besonderen Schiff an. Wir waren an Bord des modernen Schaufelradschiffes MS Elbe Princesse.

Eine Woche dauert die Kreuzfahrt auf der MS Elbe Princesse.

Die Schaufelräder des modernen Schiffs sind fast 5 Meter hoch.


Streifzug durch die goldene Stadt
Schon der Liegeplatz in Prag ist ideal. Gegenüber beginnt das jüdische Viertel. In zehn Minuten ist die Altstadt zu Fuß erreicht. Prag hat einen besonderen Charme. Die Altstadt mit der astronomischen Uhr, der mächtigen Karlsbrücke und der majestätischen Prager Burg erzählt von vergangenen großen Zeiten. Verwinkelte Gassen laden zum Entdecken ein.
Empfehlenswert ist auch ein abendlicher Spaziergang durch den Letna-Park, der vom Liegeplatz in zwei Minuten erreicht ist. Hier trifft sich ganz Prag zum Feierabend. Von Kindern bis zu Senioren. Hier kann man joggen, sich auf Spielplätzen austoben oder den Blick auf die Moldau genießen, wenn die Sonne langsam untergeht und nach und nach die Lichter in der Hauptstadt angehen.

Die Prager Burg thront über der tschechischen Hauptstadt. Sie ist die größte ihrer Art weltweit.

Einer der schönsten Blicke auf Prag mit seinen vielen Moldau-Brücken.
Idylle hinterm Staudamm
Die Elbe Princesse legt ab, lässt Prag hinter sich und fährt nach Süden, flussaufwärts. Schon bald wird deutlich, warum diese Reise etwas Besonderes ist. Die ersten Schleusen verlangen Präzisionsarbeit. Zwischen Schiff und Schleusenwand bleiben oft nur wenige Zentimeter.
Auch manche Brücken sind so niedrig, dass das Sonnendeck in den frühen Morgenstunden abgebaut werden muss. Das geschieht mit einigem Lärm. Doch wer deshalb früher wach wird, erlebt faszinierende Manöver aus nächster Nähe.
Ein technisches Highlight ist die Schleuse in Štěchovice. Rund 20 Höhenmeter überwindet das Schiff hier. Es ist beeindruckend zu sehen, wie sich langsam die riesigen Schleusentore schließen und dann Schiff dann wie von Geisterhand Stück für Stück in die Höhe steigt.

Die Schleuse in Štěchovice ist die größte in ganz Tschechien.

Unberührte Natur aus ganz neuer Perspektive.


Hinter dem Staudamm verändert sich die Landschaft. Endlose Wälder säumen die Moldau. Vom Wasser aus eröffnet sich eine Perspektive, die man von der Straße aus nie erleben würde. Die Natur scheint unberührt, auch weil hier sonst niemand unterwegs ist. Viele Schiffe sind für den Fluss zu groß und haben zu viel Tiefgang. Die besonders flach gebaute MS Elbe Princesse dagegen erreicht als einziges Flusskreuzfahrtschiff diese idyllische Region.
Bis zur Talsperre Slapy gleitet das Schiff durch die Natur. Immer wieder stehen Ferienhäuser in Ufernähe, typisch für diese Gegend. Die Baustile reichen von der rustikalen Blockhütte bis zum modernen Chalet.

Willkommen an Bord
Die Kabinen bieten alles, was für eine mehrtägige Reise nötig ist. Platz ist naturgemäß begrenzt. Wer größer als 1,90 Meter ist, sollte auf den Fluren den Kopf einziehen.
Zum Reiseprogramm gehören Stadtführungen in Prag und Dresden ebenso wie Ausflüge zu den historischen böhmischen Schlössern Konopište und Nelahozeves. Ein interessanter Einblick in das Leben des Adels vergangener Jahrhunderte.

Während der Fahrt erläutern Crewmitglieder Wissenswertes über Landschaft und Geschichte – mal etwas überladen, mal unterhaltsamer. Wem es zu viel wird, der setzt einfach die Kopfhörer seines „Gerätchens“ ab und genießt die Landschaft.
Die Reederei Croisi Europe ist seit 50 Jahren in Familienbesitz und die Crew sorgt durch ihre herzliche Art für eine entsprechend familiäre Atmosphäre an Bord.
Kulinarisch bleibt die Reederei ihren französischen Wurzeln treu: Statt böhmischer Spezialitäten stehen französische Menüs auf dem Speiseplan. Das schmeckt zwar auch sehr gut, aber etwas landestypische Mahlzeiten würden besser zur Reise passen. Zumal an einem Abend tschechische Musik und Tanz geboten werden.

Panorama an der Mündung
Der zweite Teil der Reise führt zurück nach Prag und weiter durch etliche Schleusen bis nach Melnik. Hier fließt die Moldau in die Elbe. Über der Mündung thronen Kirche und Schloss von Melnik. Das beeindruckende Panorama ist sowohl vom Sonnendeck als auch vom Aussichtspunkt oberhalb der Stadt sehenswert.
Den Abschluss bildet ein Ausflug nach Dresden, aktuell per Bus, ab nächstem Jahr mit dem Schiff. Der Besuch im „Elbflorenz“ ergänzt die Reise hervorragend.
In Prag geht es wieder von Bord. Der Abschied fällt schwer. Die Abwechslung zwischen Natur und Stadt verbunden mit der entschleunigenden Art der Fortbewegung machen diese Reise zu einem außergewöhnlichen Erlebnis.

In Melnik fließt die Moldau in die Elbe. Das Panorama lässt sich oben genießen.

Aber auch vom Schiff aus ist der Blick auf die Kirche und das Schloss sehenswert.

Die Semperoper ist nur ein Highlight des Ausflugs nach Dresden.



