EuropaMit dem Schiff über die Moldau

Fotos: Florian Ladenburger, Oliver Asmussen/Helwin Goetzinger/Croisi Europe

Male­ri­sche Fluss­land­schaften am Vormittag, welt­be­rühmte Sehens­wür­dig­keiten am Nach­mittag. Fluss­kreuz­fahrten verbinden Natur­er­lebnis und Städ­te­reise auf einzig­ar­tige Weise. Eine Reise auf der Moldau.

Von Prag nach Dresden sind es mit dem Auto knapp zwei Stunden. Dann hat man außer der Auto­bahn aller­dings nicht viel gesehen. Deut­lich schöner ist die Strecke auf dem Wasser, nämlich der Moldau. Die fran­zö­si­sche Reederei Croisi Europe bietet eine Tour auf Tsche­chiens längstem Fluss mit einem ganz beson­deren Schiff an. Wir waren an Bord des modernen Schau­fel­rad­schiffes MS Elbe Prin­cesse.

Eine Woche dauert die Kreuz­fahrt auf der MS Elbe Prin­cesse.
Die Schau­fel­räder des modernen Schiffs sind fast 5 Meter hoch.

Streifzug durch die goldene Stadt

Schon der Liege­platz in Prag ist ideal. Gegen­über beginnt das jüdi­sche Viertel. In zehn Minuten ist die Altstadt zu Fuß erreicht. Prag hat einen beson­deren Charme. Die Altstadt mit der astro­no­mi­schen Uhr, der mäch­tigen Karls­brücke und der majes­tä­ti­schen Prager Burg erzählt von vergan­genen großen Zeiten. Verwin­kelte Gassen laden zum Entde­cken ein.

Empfeh­lens­wert ist auch ein abend­li­cher Spazier­gang durch den Letna-Park, der vom Liege­platz in zwei Minuten erreicht ist. Hier trifft sich ganz Prag zum Feier­abend. Von Kindern bis zu Senioren. Hier kann man joggen, sich auf Spiel­plätzen austoben oder den Blick auf die Moldau genießen, wenn die Sonne langsam unter­geht und nach und nach die Lichter in der Haupt­stadt angehen.

Idylle hinterm Stau­damm

Die Elbe Prin­cesse legt ab, lässt Prag hinter sich und fährt nach Süden, fluss­auf­wärts. Schon bald wird deut­lich, warum diese Reise etwas Beson­deres ist. Die ersten Schleusen verlangen Präzi­si­ons­ar­beit. Zwischen Schiff und Schleu­sen­wand bleiben oft nur wenige Zenti­meter.

Auch manche Brücken sind so niedrig, dass das Sonnen­deck in den frühen Morgen­stunden abge­baut werden muss. Das geschieht mit einigem Lärm. Doch wer deshalb früher wach wird, erlebt faszi­nie­rende Manöver aus nächster Nähe.

Ein tech­ni­sches High­light ist die Schleuse in Štěcho­vice. Rund 20 Höhen­meter über­windet das Schiff hier. Es ist beein­dru­ckend zu sehen, wie sich langsam die riesigen Schleu­sen­tore schließen und dann Schiff dann wie von Geis­ter­hand Stück für Stück in die Höhe steigt.

Die Schleuse in Štěcho­vice ist die größte in ganz Tsche­chien.
Unbe­rührte Natur aus ganz neuer Perspek­tive.

Hinter dem Stau­damm verän­dert sich die Land­schaft. Endlose Wälder säumen die Moldau. Vom Wasser aus eröffnet sich eine Perspek­tive, die man von der Straße aus nie erleben würde. Die Natur scheint unbe­rührt, auch weil hier sonst niemand unter­wegs ist. Viele Schiffe sind für den Fluss zu groß und haben zu viel Tief­gang. Die beson­ders flach gebaute MS Elbe Prin­cesse dagegen erreicht als einziges Fluss­kreuz­fahrt­schiff diese idyl­li­sche Region.

Bis zur Talsperre Slapy gleitet das Schiff durch die Natur. Immer wieder stehen Feri­en­häuser in Ufer­nähe, typisch für diese Gegend. Die Baustile reichen von der rusti­kalen Block­hütte bis zum modernen Chalet.

Die große Talsperre Slapy bildet den Wende­punkt der Fluss­kreuz­fahrt.

Will­kommen an Bord

Die Kabinen bieten alles, was für eine mehr­tä­gige Reise nötig ist. Platz ist natur­gemäß begrenzt. Wer größer als 1,90 Meter ist, sollte auf den Fluren den Kopf einziehen.

Zum Reise­pro­gramm gehören Stadt­füh­rungen in Prag und Dresden ebenso wie Ausflüge zu den histo­ri­schen böhmi­schen Schlös­sern Kono­pište und Nelaho­zeves. Ein inter­es­santer Einblick in das Leben des Adels vergan­gener Jahr­hun­derte.

Das Renais­sance-Schloss Nelaho­zeves beher­bergt wert­volle Kunst­werke.

Während der Fahrt erläu­tern Crew­mit­glieder Wissens­wertes über Land­schaft und Geschichte – mal etwas über­laden, mal unter­halt­samer. Wem es zu viel wird, der setzt einfach die Kopf­hörer seines „Gerät­chens“ ab und genießt die Land­schaft.

Die Reederei Croisi Europe ist seit 50 Jahren in Fami­li­en­be­sitz und die Crew sorgt durch ihre herz­liche Art für eine entspre­chend fami­liäre Atmo­sphäre an Bord.

Kuli­na­risch bleibt die Reederei ihren fran­zö­si­schen Wurzeln treu: Statt böhmi­scher Spezia­li­täten stehen fran­zö­si­sche Menüs auf dem Spei­se­plan. Das schmeckt zwar auch sehr gut, aber etwas landes­ty­pi­sche Mahl­zeiten würden besser zur Reise passen. Zumal an einem Abend tsche­chi­sche Musik und Tanz geboten werden.

Auf begrenztem Raum bieten die Kabinen alles, was es für eine Schiffs­reise braucht. Inklu­sive Fluss­pan­orama vom Bett aus.

Panorama an der Mündung

Der zweite Teil der Reise führt zurück nach Prag und weiter durch etliche Schleusen bis nach Melnik. Hier fließt die Moldau in die Elbe. Über der Mündung thronen Kirche und Schloss von Melnik. Das beein­dru­ckende Panorama ist sowohl vom Sonnen­deck als auch vom Aussichts­punkt ober­halb der Stadt sehens­wert.

Den Abschluss bildet ein Ausflug nach Dresden, aktuell per Bus, ab nächstem Jahr mit dem Schiff. Der Besuch im „Elbflo­renz“ ergänzt die Reise hervor­ra­gend.

In Prag geht es wieder von Bord. Der Abschied fällt schwer. Die Abwechs­lung zwischen Natur und Stadt verbunden mit der entschleu­ni­genden Art der Fort­be­we­gung machen diese Reise zu einem außer­ge­wöhn­li­chen Erlebnis.

In Melnik fließt die Moldau in die Elbe. Das Panorama lässt sich oben genießen.
Aber auch vom Schiff aus ist der Blick auf die Kirche und das Schloss sehens­wert.
Die Semper­oper ist nur ein High­light des Ausflugs nach Dresden.

Gleich weitersagen!