AutoKompakter Schwede mit Licht und Schatten 

Der Volvo EX30 fällt sofort ins Auge: modern, klar gezeichnet, kompakt – ein echter Hingu­cker auf der Straße. Innen zeigt er sich ebenso mini­ma­lis­tisch wie stil­voll. Im ausführ­li­chen Test offen­bart der Einstiegs-Volvo jedoch ein paar Schwä­chen.

Ein kompakter Elektro-SUV für unter 40.000 Euro? Damit brachte ausge­rechnet der Premium-Hersteller Volvo 2023 frischen Wind ins E‑Auto-Segment. Und das zeigt sich auch heute noch nicht nur beim styli­schen Äußeren, nein der EX30 begeis­tert mit kräf­tigen Elek­tro­mo­toren (272/428 PS) und einem Fahr­werk, das agil und komfor­tabel zugleich ist.

Qualität und Fahr­spaß

Kurze Stadt­wege oder längere Auto­bahn­fahrten? Beides kein Problem! Die Karos­serie vermit­telt ein sattes Gefühl, ohne schwer­fällig zu wirken – man merkt sofort: Volvo setzt auch in der kleinsten Klasse auf Qualität und Fahr­spaß.

Auf Lang­strecke verlangt der EX30 häufig nach Stopps. Mit bis zu 134 kW lädt der kleine Stromer jedoch bei nied­rigen Lade­ständen ordent­lich schnell.

Doch so char­mant der EX30 ist, er hat auch seine Eigen­heiten. Wir fuhren beide Vari­anten, etwa zwei Wochen den 428-PS-starken Allradler mit der 65-kWh-Batterie sowie über knapp 10.000 Kilo­meter den 272-PS-starken Heck­triebler mit kleinem Akku (49 kWh). Mit letz­terem waren wir häufig in der Stadt, aber immer wieder auch auf Lang­stre­cken unter­wegs. Das Einsatz­ge­biet deckte dabei den hohen Norden ebenso ab wie Urlaubs­reisen nach Sardi­nien.

Verbrauch und Reich­weite

Dabei gönnte sich der nur 4,23 Meter kurze Flitzer in der Stadt etwa 16–18 kWh und rund 22kWh/100km auf der Auto­bahn. Auch der deut­lich stär­kere Allradler lag mit 0,5–1 kWh nur gering­fügig darüber.

Mit dem kleinen Akku schrumpften die Auto­bahn-Etappen auf etwa 150 Kilo­meter, insbe­son­dere wenn man sich auf die etwas nervöse Google-Navi­ga­tion verlässt. Beim großen Akku sind es etwa 200 Kilo­meter. Die ACE-Richt­schnur: „zwei Stunden fahren, 15 Minuten Pause“ schafft der große Akku fast, der kleine dagegen nur auf der Land­straße.

Leis­tung200 kW (272 PS)
Höchst­ge­schwin­dig­keit180 km/h
Beschleu­ni­gung 0–100 km/h5,7 s
Verbrauch (WLTP)17,1 kWh
Verbrauch (ACE Stadt/Überland)16,7 kWh
Verbrauch (ACE Auto­bahn)21,9 kWh
Reich­weite (ACE Mix/WLTP)293 / 337 km
Reich­weite (ACE Auto­bahn)223 km
Leer­ge­wicht1.840 kg
Zul. Gesamt­ge­wicht2.210 kg
Max. Zula­dung370 kg
Koffer­raum­vo­lumen318 l
Koffer­raum­vo­lumen (Frunk)7 l
Batte­rie­ka­pa­zität (brutto)51 kWh
Batte­rie­ka­pa­zität (netto)49 kWh
Max. Lade­leis­tung (AC)11 kW / 22 kW (Aufpreis)
Max. Lade­leis­tung (DC)175 kW
Ladung (10–80 Prozent)26 Minuten
Anhän­ge­last1.000 kg
Stütz­last100 kg
Unver­bind­liche Preis­emp­feh­lung42.790 Euro
Test­wa­gen­preis45.100 Euro

Die Routen­pla­nung fällt negativ auf

Die Routen­pla­nung für Lade­stopps lässt keine indi­vi­du­elle Anpas­sung zu – kurze Stopps, lange Stopps, viele Stopps? Das entscheidet das Auto. Zwar kann man seine Wünsche äußern, zum Beispiel nach dem Akku­stand am (Zwischen-) Ziel. Jedoch geht das nur in 10er Schritten: 1 Prozent, 11 Prozent oder 21 Prozent.

Die Lade­rou­ten­pla­nung ist auf Sicher­heit bedacht. Nicht immer plant der Volvo korrekt.

Für einen kleinen Stadt­flitzer ist die Lade­leis­tung beacht­lich.

Wer aller­dings ein paar Lade­säulen links liegen lassen kann und den Akku bis auf wenige Prozent leer fährt, profi­tiert von längeren Etappen und der recht hohen Lade­leis­tung von bis zu 134 kW. Der verbaute LFP-Akku steckt dieses Verhalten ebenso gut weg wie ein Laden auf 100 Prozent.

Wer schnell voran­kommen will, sollte jedoch nur bis etwa 50 Prozent laden und dann die nächste Etappe starten.

Soft­ware und Display

Die gesamte Soft­ware für Fahr­zeug­ein­stel­lungen, Navi­ga­tion, Musik und Apps liefert Google. Sie läuft flüssig, passt mit ihrem Mini­ma­lismus gut zum Volvo. Etwas über­ra­schend harmo­niert das System besser mit Apple als mit Android: Während CarPlay funk­tio­niert, fehlt Android Auto und die digi­tale Schlüs­sel­wei­ter­gabe gibt es ausschließ­lich über Apples iPhone.

Viel Platz für die wich­tigen Infos bietet das 12,3 Zoll große Mittel­dis­play.

So clean der Innen­raum mit nur einem Display über der Mittel­kon­sole wirkt, hat die Sache einen Nach­teil: Die Geschwin­dig­keit muss auch dort abge­lesen werden, ein Head-up-Display wäre dafür die bessere Lösung. Das gibt es jedoch weder für Geld noch gute Worte.

Assis­tenz­sys­teme

Abzüge gibt es für die über­mo­ti­vierten Assis­tenz­sys­teme. Der Spur­hal­te­as­sis­tent greift häufig früh ein. Das fühlt sich so an, als würde ein Magnet das Auto mal nach links und mal nach rechts lenken. Das führt dazu, dass sie ebenso wie die fehler­hafte Licht­au­to­matik und Verkehrs­zei­chen­er­ken­nung häufig direkt deak­ti­viert wurde. Hier ist noch Fein­ab­stim­mung nötig.

Kurios: Sobald die Anhän­ge­kupp­lung genutzt wird, fallen selbst Assis­tenz­sys­teme wie der Tempomat aus.

Mit dem EX30 auf Reisen

Für Urlaubs­reisen mit der vier­köp­figen Familie ist der Volvo EX30 etwas knapp bemessen. Insbe­son­dere der Koffer­raum ist mit 318 Litern doch sehr klein. Auf längeren Reisen wurde deshalb die Heckbox B1 von Uebler montiert. Sie verdop­pelt mit 300 Litern den Gepäck­raum.

Möglich macht das die optio­nale Anhän­ger­kupp­lung, die beim Heck­triebler 100 kg Stütz­last und 1000 kg Anhän­ge­last bietet. Der Allradler erlaubt eben­falls 100 kg Stütz­last, aber sogar 1600 kg Anhän­ge­last. Auf dem Dach waren zwar nur leichte Surf­bretter montiert, grund­sätz­lich darf das Dach jedoch eben­falls mit 75 Kilo­gramm belastet werden, ideal also für bis zu fünf Fahr­räder oder ein Dach­zelt.

Mit einer Heckbox wie dem Modell B1 von Uebler lässt sich das etwas geringe Lade­vo­lumen (nur 318 Liter) fast verdop­peln.

Die Stütz­last von 100 kg lässt keine Wünsche offen.

Unser Fazit

Trotz dieser Kritik­punkte über­wiegen die posi­tiven Eindrücke: hübsches Design, guter Fahr­kom­fort, kompakt und gut verar­beitet. Wer ein styli­sches, wendiges Elek­tro­auto für den Alltag und gele­gent­liche Lang­stre­cken sucht, wird viel Freude mit dem EX30 haben – wer maxi­male Effi­zienz und perfekte Assis­tenz­sys­teme erwartet, sollte die Augen jedoch nach einer Alter­na­tive offen­halten.


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