Camping mal ganz anders: mit Dachzelt, mit neuen Leicht-Caravans oder im Mietmobil – sowie die ersten Trends zum Caravan-Salon Ende August.
Vorbei sind die Zeiten, als auf Caravaningmessen fast verschämt in einer Ecke ein Auto mit Dachzelt stand. Heute gibt es Dutzende Marken, von üblichen Verdächtigen unter den Großanbietern wie Dometic, Thule oder Reimo bis zu Spezialisten wie Campwerk, iKamper, Naturbummler oder dem Klassiker Maggiolina. Sogar Sportartikelhändler Decathlon mischt mit. Die Sache läuft, denn ein Dachzelt passt vom Wochenendtrip für Sportler bis zum Familienurlaub in warmen Gefilden.
Dachzelt: die neue Freiheit
Das Dachgeschoss fürs Auto ist sehr unterschiedlich ausgeprägt. Da wären Hartschalen-Dachzelte, ähnlich einem Dachkoffer. Nicht ganz leicht, mit knapper Liegefläche für ein bis zwei Personen, aber schnell hochgefahren, mit stabilem Deckel und unterwegs aerodynamisch günstiger als das Dachzelt aus Zeltstoff pur. Dies wiegt weniger, ist komplizierter aufzustellen, bietet aber mehr Platz und kann sich zu einer kompletten Dachlandschaft inklusive Vorzelt entfalten. Dazwischen tummeln sich Hybridmodelle, sie verbinden die Vorzüge beider Varianten.
Für die Auswahl gibt es zahlreiche Kriterien. Trägersystem und Dachzelt müssen harmonieren, zu beachten ist die zulässige Dachlast des Autos. Sie gilt als dynamische Belastung während der Fahrt, also keine Bange vor der höheren Belastung durch die Zeltbewohner. Ein Dachzelt wirkt sich ungünstig auf die Aerodynamik aus, das erhöht bei Verbrennern den Verbrauch und verringert bei E‑Autos die Reichweite. Eine üppige Dachlast wirkt sich ebenfalls negativ auf die Fahreigenschaften aus. Nicht vergessen: beim Autohersteller die zulässige Höchstgeschwindigkeit mit Dachlast erfragen.

Die Größe der Liegefläche, die Qualität der Matratze, Lüftung und Fenster spielen eine Rolle, auch die Isolierung für Aufenthalte außerhalb der Sommermonate. Ist genug Platz für Bettzeug oder sogar Campingstühle, gibt es Ablagen? Auch Ausbau und Ergänzungsmöglichkeiten sind wichtig, ob für Sportgeräte, Kleidung oder als geschützter Aufenthaltsraum.
Eine Alternative zum Dachzelt sind Heckzelte. Kompakte Ausführungen vergrößern den Lebensraum in ausgebauten Hochdachkombis à la Citroën Berlingo, Renault Kangoo oder VW Caddy. Geschlafen wird im Auto, vieles spielt sich im Heckzelt ab. Thule setzt mit dem Zelt Outset eins drauf: Es wird zusammengeklappt auf der Anhängerkupplung transportiert. Am Reiseziel steht es fix ausgeklappt auf Stützbeinen – das spart die Kletterei aufs Dach.

Autohersteller haben das Thema entdeckt. Hier treffen Extreme aufeinander: Da wäre das langgestreckte Dacia-Heckklappenzelt. Und der Porsche „Pavillon“, ein aufblasbares Heckzelt. Oder das Porsche-Dachzelt, das sogar die geschlossenen Varianten des Porsche 911 krönt: Ein Hybrid-Dachzelt mit klappbarer Hartschale, ausbaufähig mit Innenzelt. Kosten für Dachzelte sind aufgrund der Fülle an Varianten schwer einzugrenzen, die meisten liegen zwischen 1.000 und 4.000 Euro.
Caravans: die neue Leichtigkeit
Weg von der Ausstattungsfülle, vom Wohnzimmer auf Rädern. Zurück zum Camping ohne Luxus: Dieser Idee folgen drei junge Baureihen großer Marken. Dank geringem Gewicht geeignet für kompakte Zugwagen und E‑Antrieb.
Da wäre der Beachy des Caravanriesen Hobby: um vier Meter Aufbaulänge, rund 1.000 Kilogramm zulässige Gesamtmasse, Preis ab knapp 15.000 Euro. Verzicht gehört dazu, Kühlbox statt Kühlschrank, kein separater Waschraum, Ordnungsboxen statt Dachstauschränke, Heizung als Extra. Aber es gibt gleich zwei Eingangstüren. Und mit dem Beachy 420+ Nachwuchs: Die typische Hecksitzgruppe bleibt, neu ist die kleine Sitzgruppe vorn. Sie lässt sich in ein Stockbett umbauen. Nebenan verwandelt sich der Kleiderschrank mittels Multifunktionswand in einen Ankleideraum oder ein stilles Örtchen. Der Neue ist mit einer Aufbaulänge von 4,26 Metern kompakt, aber nicht billig: bei 19.340 Euro geht’s los.
Draußen schlicht ähnlich dem Beachy, drinnen gemütlich: Mit einer neuen Baureihe schlägt LMC ein neues Kapitel auf. Der Edero – in verkopfter Marketing-Schreibweise e:dero – verzichtet ebenfalls auf Bordtechnik wie Heizung, Gasanlage oder Herd sowie einen Waschraum. Liefert dafür Flexibilität, denn die einfache Sitzgruppe eignet sich auch für die Nutzung im Freien. Das Bett dient tagsüber als kuschelige Couch, es gibt einen Hänge-Kleiderschrank (extra), ein Torbogen-Regal mit Filzboxen, Akku-Leuchten und eine Spüle mit Frischwasserkanister. Optional kommen Kühlbox, Kaffeemaschine oder ein portables Induktionskochfeld hinzu. Der LMC Edero hat drei Grundrisse, rund vier bis fünf Meter Aufbaulänge, zulässige Gesamtmasse 1.100 Kilo, Preis ab 13.490 Euro.
Fendt kann mehr als gediegene Caravans der Mittel- und Oberklasse: „Next“ heißt die neue Tochtermarke, kompakt und leicht. Erstes Modell ist der Next 380 mit lediglich 1.000 Kilo zulässiger Gesamtmasse. Next heißt: vorn Doppelbett, Toilettenraum sowie ein offener Waschbereich, in der Mitte Sitzgruppe, Küche mit Gasherd und Kompressor-Kühlschrank, im Heck eine Sitzgruppe, dazu eine Gasheizung. Klingt nach viel Fendt. Eigenwillig ist das nostalgisch auskragende Design des Hecks. Der Preis: 18.900 Euro.
Wohnen auf Zeit: Reisemobile und Campervans mieten
Warum teuer kaufen, wenn es Reisemobile auf Zeit gibt? Vermieter tummeln sich reichlich. Reisemobilhändler verleihen Fahrzeuge, ebenso Tochterunternehmen von Herstellern oder hauptberufliche freie Vermieter. Auch manche privaten Personen wollen ihr Reisemobil auf diesem Weg refinanzieren, häufig eingebunden in Vermietorganisationen. Da gilt es hinzuschauen: Wie alt sind die Fahrzeuge, wie umfangreich ausgestattet?
Überhaupt, was darf’s denn sein – ein handlicher kompakter Campingbus, ein größerer Komfort-Campingbus mit Sanitärraum, gern auch mit Aufstelldach. Vielleicht ein geräumiges Alkovenmobil, ein schnittiges teilintegriertes Reisemobil, ein repräsentativer Integrierter mit eigenständiger Karosserie? Analog zu Ferienwohnungen gilt: für die gewünschte Personenzahl nicht zu knapp wählen, Bettenmaße, Bewegungsfreiheit an Bord und Staumöglichkeiten im Auge behalten. Ebenfalls die Schwelle von 3,5 Tonnen zulässiger Gesamtmasse. Sie ist aus vielerlei Gründen wichtig: Sie bildet seit 1999 das Limit des Führerscheins Klasse B, denn die angekündigte Erweiterung auf 4,25 Tonnen lässt noch auf sich warten. Ob Verkehrsregeln, Einfahrvorschriften in Städte, Mautregeln im Ausland, alles ändert sich ab dieser Tonnage. Übergewicht bedeutet ein Sicherheitsrisiko und wird im Ausland teils drastisch bestraft. Also bei Zweifeln vor der Reise auf zur Waage bei Baustoffhändler, Recycler, TÜV.
Eine gründliche Einweisung ist wichtig, es geht um die Bordtechnik mit Gas, Strom, Wasser und die Entsorgung. Eventuelle Schäden sorgfältig dokumentieren, sonst ist womöglich hinterher die Kaution futsch. Stichwort Kosten: Camping ist kein Billigurlaub. Es lohnt sich auf Urlaubszeiten zu achten, auf andere Ferienzeiten in einem benachbarten Bundesland, auf Gebühren von Camping- und Stellplätzen.
Kosten für den Sprit lassen sich mit gelassener Fahrweise verringern. Wer Menschen und Geschirr an Bord schont, ist günstiger und nervenschonend unterwegs. Mit Partner oder Partnerin das Einweisen beim Rangieren einüben, gerne auch eine Proberunde drehen. Reisemobile beschleunigen langsamer und bremsen dezenter als das gewohnte Auto, auch die größeren Abmessungen und ein wankelmütigeres Fahrverhalten einkalkulieren.
Es geht doch in den Urlaub, da ist Hetze auf der Straße fehl am Platz. Und mit Dachzelt, Leicht-Caravan oder Reisemobil lassen sich ganz neue Strecken und Zwischenziele abseits üblicher Routen entdecken.
Caravan Salon 2025

Der Caravan-Salon findet auf dem Gelände der Messe Düsseldorf vom 29. August bis zum 7. September statt. Karten können jetzt schon online erworben werden. Tageskarten kosten am Wochenende 20, sonst 18 Euro. Hinzu kommt der „Preview-Day“ am 29. August für 39 Euro. Alle Infos unter: www.caravan-salon.de
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