EuropaWinter für alle

Wo geht’s hin im Winter? Die Zahl der Winter­sport­ge­biete ist groß, da fällt die Auswahl schwer. Viele Gebiete haben sich spezia­li­siert und so gibt es inzwi­schen für jeden Geschmack einen geeig­neten Ort. Wir stellen drei Ziele vor nach dem Motto: Winter für alle.


Winter für Fami­lien

Viele denken beim Winter­ur­laub an die Alpen oder Skige­biete in Übersee. Doch ein echtes Winter­mär­chen liegt in Frank­reich. Die Vogesen im Elsass sind perfekt für Fami­lien – fernab vom Trubel der großen Skige­biete.

Beson­ders zwei Orte in den Vogesen sind ideale Adressen für einen Fami­li­en­ur­laub im Schnee. Le Champ du Feu, das kleine, char­mante Skige­biet im Bas-Rhin, und Lac Blanc, das dyna­mi­sche Winter­sport­zen­trum im Süden. Eines haben beide gemeinsam: Sie sind über­schaubar, bieten abwechs­lungs­reiche Akti­vi­täten für Groß und Klein und haben jede Menge Atmo­sphäre.


Von Straß­burg aus lässt man das geschäf­tige Leben schnell hinter sich. Die Anreise führt in gut einer Stunde hinein in eine stille, weiße Welt. Oben, auf 1.099 Metern, empfängt Le Champ du Feu seine Gäste mit weiten Schnee­fel­dern, dichten Tannen­wäl­dern und einer Prise Nost­algie. Hier ist nichts laut oder hektisch.

Statt Après-Ski-Partys gibt es knir­schenden Schnee unter den Füßen und das Lachen von Kindern. Das Skige­biet ist ideal für Fami­lien: 13 Abfahrten in allen Schwie­rig­keits­graden (grün, blau, rot), ein Snow­park für Mutige und ein über­schau­bares Netz von Liften.

Fotos: J.Kauffman; OT Station du Lac Blanc 

Lac Blanc: Schnee­ge­nuss mit Elsässer Spezia­li­täten

Nur eine Auto­stunde weiter südlich, im Natur­park Ballons des Vosges, zeigt Lac Blanc eine andere Winter­seite: dyna­misch, sport­lich – aber genauso fami­li­en­freund­lich. Lac Blanc liegt auf 1.050 Metern am gleich­na­migen Bergsee.

Hier warten 14 Pisten­ki­lo­meter, aufge­teilt in grüne, blaue und rote Hänge, sowie eine schwarze Piste für Aben­teurer. Die Großen erfreuen sich an der Piste „Brin­belle“, während die Kleinen im Anfän­ger­be­reich oder in der Skischule Piou-Piou ihr Können verbes­sern.

In Lac Blanc ist für jedes Fami­li­en­mit­glied die rich­tige Piste dabei. Beson­deres High­light: die Flut­licht­pisten. Foto: Bartosch Salmanski

Lang­lauf-Fans finden hier 67 Kilo­meter Loipen und mit dem Snow­board gibt es Action im Snow­park. Ein beson­deres High­light sind sechs Flut­licht­pisten genauso wie die ganz­jährig nutz­bare Rodel­bahn.

Nach einem Tag im Schnee locken die Gast­häuser mit dem Duft von elsäs­si­schen Spezia­li­täten und frisch geba­ckenem Brot. Auf den Spei­se­karten stehen neben Raclette und Fondue auch deftige Ofen­kar­tof­feln und Tarte flambée (Flam­men­ku­chen). So endet der Tag für Kind und Kegel genuss­voll.

Noch mehr Infos gibt es auf:

Skipass:
Lac Blanc: Kinder ab 25 Euro, Erwach­sene 29 Euro.
Le Champ du Feu: Kinder ab 19 Euro, Erwach­sene ab 24 Euro, Nachts­ki­pass ab 15 Euro.

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Winter für Genießer

Der Spaß auf der Piste ist nicht der einzige Genuss, den es im Schweizer Winter­sport­ge­biet Engel­berg-Titlis zu erleben gibt. Gäste finden hier inter­na­tio­nale kuli­na­ri­sche Genüsse.

Wir haben außerdem den kuriosen Fondue-Schlitten auspro­biert. Foto: Lucerne Tourism / Tanja Müller

Eine schmale Straße führt zum hintersten Ende des Engel­berg­tals, das südlich von Luzern zentral in der Schweiz gelegen ist. Hinter einer Kurve lassen wir scheinbar die ganze Welt hinter uns. Nur einige Skilang­läufer gleiten lautlos durch den schnee­weißen Wald am Rand des schmalen Wegs, der zur Berg­bahn führt.

In einer kleinen roten Kabine schweben wir schließ­lich in nahezu senk­rechter Fahrt über die tiefe Schlucht der Füren­wand zur gleich­na­migen Alp. Unver­kennbar behauptet die über 900 Jahre alte Bene­dik­tiner-Klos­ter­an­lage, die Urzelle Engel­bergs, seinen Platz als geist­li­ches und kultu­relles Zentrum.

Weit unten breitet sich das 4.600-Seelen-Dorf Engel­berg fächer­förmig aus. Foto: Hanne Bahra

Unter­wegs mit dem Fondue-Schlitten

Es ist noch früh am Tag. Unbe­rührt liegt der Weg vor uns, gekämmt vom Pisten­fahr­zeug, präpa­riert für einen wunder­baren Sonnentag im Schnee. Vor dem Berg­re­stau­rant steht eine Armada von Schlitten bereit. Einer davon verwan­delt sich für uns in einen Fondue-Schlitten für zwei.

Die Wirtin bepackt uns das kleine Holz­ge­fährt mit Woll­de­cken und dem „Fondue-Böxli“, einer Kiste mit Fondueset, Tellern, Besteck, knusp­rigem Brot sowie wahl­weise einer Ther­mos­kanne Tee oder einer Flasche kräf­tigen Chas­selas-Wein.

Wir stapfen los. Vor der Hütte zieht sich der Schlit­telweg in mode­raten Stei­gungen durch die gran­diose Berg­ku­lisse der Drei­tau­sender Titlis, Spannort und Schloss­berg. Eine Aussichts­bank wird unser Pick­nick­platz. Schnell ist die Holz­kiste zum Tisch umfunk­tio­niert. Der Gasko­cher erhitzt die Fondue-Mischung aus der Engel­berger Klos­ter­kä­serei. Stän­diges Rühren ist ange­sagt. Inzwi­schen haben sich auch andere Spazier­gänger auf den Weg gemacht und wünschen uns „En Guete mitenand“.

Nachdem der letzte Rest aus dem Topf zusam­men­ge­kratzt ist, schweben wir wieder bergab. Die Fürenalp bleibt in Erin­ne­rung als ein magi­scher Ort. Auch abseits kuli­na­ri­scher Genüsse ist hier einiges geboten. Engel­berg-Titlis ist das größte Skige­biet der Zentral­schweiz.

Fotos: Oskar Enander/Engelberg Titlis; Engel­berg-Titlis-Tourismus AG

Inter­na­tio­naler Genuss

Einkehr­mög­lich­keiten sind hier so inter­na­tional wie das Publikum. Man trifft sich beispiels­weise in der Ski Lodge, die seit etli­chen Jahren in schwe­di­scher Hand ist. Schweden und Engel­berg sind längst eine innige Liaison einge­gangen.

Am besten schmeckt der Kaffee in der Roas­tery der schwe­di­schen Geschwister Oscar und Sophia in der Dorf­straße. Wie Chris­tian und John, die seit zwei Jahren das Restau­rant „Villa Hundert“ betreiben, kamen sie ursprüng­lich als Freerider nach Engel­berg und blieben als kuli­na­risch-gesel­liger Teil der schwe­di­schen Commu­nity.

In der „Villa Hundert“ gibt es schwe­di­sche Küche. Foto: Engel­berg-Titlis Tourismus, Anton Thorin
Das Auge isst mit! Frische und hoch­wer­tige Zutaten gehören zum Konzept. Foto: Engel­berg-Titlis Tourismus, Anton Thorin

Chris­tian und John geben in ihrem Restau­rant ober­halb des Ortes die wohl verrück­teste und zauber­haf­teste Küchen-Vorstel­lung. Dabei setzen die beiden Schweden auf Fermen­tie­rung und Verwen­dung Schweizer Produkte, auf ganz viel Enthu­si­asmus und hinrei­ßende Gast­freund­schaft.

Am nächsten Tag wissen wir zwar nicht mehr so genau, was wir alles gegessen haben, die Viel­falt über­for­dert unser Erin­ne­rungs­ver­mögen. Stich­worte aus dem 8‑gängigen Menü, wie Woll­schwein­hals, Feder­kohl, Jala­peños, Rinds­herz, Felchen­roggen und fermen­tierter Mais schwirren im Kopf herum, getränkt von groß­ar­tiger Wein­be­glei­tung und dem Wohl­ge­fühl, ein fantas­ti­sches kuli­na­ri­sches Aben­teuer erlebt zu haben.

Infos unter

Skipass:
Kinder ab 22 CHF, Erw. ab 34 CHF. Für die fami­lien- und anfän­ger­freund­li­chen Gebiete gibt es preis­güns­ti­gere Teil­ge­biets-Skipässe.

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Winter ohne Auto

Topmo­derne Anlagen. 90 Hütten. Das Ennstal ist eine Genuss­re­gion, die man entspannt per Bahn entde­cken kann.

Es fühlt sich komisch an, mit einem Köffer­chen ins öster­rei­chi­sche Ennstal zu reisen. Mit selbigem bei Kaiser­wetter vom Bahnhof durch Schlad­ming zu rollen, bis zum Sport­center Planet Planai. Die Talsta­tion der Planai-Seil­bahn ist wirk­lich ein eigener Planet, wo man kompe­tent und zackig eine Skiaus­rüs­tung ange­passt bekommt – jetzt erst scheint Winter zu sein. Das Shuttle zum Quar­tier ist auch vor Ort – Schlad­ming kann Bahn­an­reise!


Foto: picture alli­ance | Martin Huber | picturedesk.com

Und weil die Anfahrt so entspannt war, darf es am Abend dann gleich mal eine Abfahrt sein, mit dem Rodel von der Hoch­wurzen: Sieben Kilo­meter durch den nächt­li­chen Winter­wald, die Lichter aus dem Tal funkeln herauf, diese Piste ist top präpa­riert, es fehlt nur etwas an Bauch­mus­ku­latur und ganz schön zapfig-kalt ist es auch. Ein letzter Slide – und rein in die urige Tauer­nalm.

Die Alm ist eine von gut 90 Skihütten — ein Urlaub reicht niemals, diese alle zu besu­chen. Foto: Mirja Geh

Auf den Hütten­stun­den­plan gehört sicher die Scha­falm, wo im Stall mit Panora­ma­glas­fens­tern Walliser Schafe dösen. Die Terrasse der Quell­bo­den­hütte ist ein feines Plätz­chen, die Seiter­hütte sowieso. Die Krumm­holz­hütte ist histo­ri­sche Pflicht, denn es waren Wiener Berg­enthu­si­asten, die 1908 begannen, die Hütte zu bauen. 1911 grün­deten sie den Verein „Krumm­holzer“. Legendär waren die so genannten „Krumm­holz­kränz­chen“, bei denen der Eintritt nur „in Touris­ten­klei­dung oder Gebirgstracht“ gestattet war. Andere Klei­dung, auch Uniform, war verboten!


Über all den Hütten könnte man fast das Carven vergessen. Die Enns­tal­orte liegen auf rund 750 Meter, die Gipfel zwischen 1850 und 2015 Metern und das ergibt ein Skige­biet mit vielen weiten Wald­schneisen. Die hoch­al­pinen Optiken fehlen, hier carvt man in anmu­tiger Natur und schaut lieber hinüber zum Dach­stein, der sein Haupt gerne in Wolken hüllt. Die FIS-Abfahrt am Hauser Kaib­ling hat eine perfekte Neigung und dann ist da natür­lich jede Piste, wo das „Nigh­trace“ tobt. Beim Nacht­slalom vom Schlad­ming machen 50.000 Zuschauer den Ziel­raum zu einem Hexen­kessel, wer einen Tag später dort fahren will, bekommt einen Eindruck davon, was eine pickel­harte Eispiste meint!

Außer­ge­wöhn­li­cher Winter­sport: Skiyoga. Foto: Nicola Förg

Die vier Skiberge mit hoch­ef­fi­zi­enten Anlagen haben einen klaren Fokus aufs komfor­table Skifahren, es gibt auch ruhi­gere Ecken am Rande des Gebiets und eine Frau, die Entschleu­nigen hilft. Karin Seeba­cher führt das biYou Hotel und lädt auf einer stillen Ecke der Piste zum Skiyoga ein. Was im ersten Moment merk­würdig wirkt, wir schnell stimmig. Die Atmung wird ruhiger, da man ja die lästigen Ski am Fuß hat, stärker die Übungen die Balance und hinterher steht man gelas­sener und fokus­sierter am Ski. Man muss sich nur einlassen wollen!

Die Orte im Tal sind auch bei Nacht schön anzu­sehen. Foto: Schlad­ming-Dach­stein | Lisa-Marie Pret­ten­thaler

Und den Berg wieder loslassen, die Ski und Stiefel haben Pause im prak­ti­schen Skidepot im Planeten. Ganz „stadt­fein“ kann man durch Schlad­ming bummeln. Das Städt­chen hat schon seit 1311 Stadt­recht, war lange Berg­bau­zen­trum und ist heute eine rührige Klein­stadt von rund 5000 Einwoh­nern. Die Einhei­mi­schen kehren gerne im Heimat­gold ein. Eine sympa­thi­sche und stil­volle Hommage an heimi­sche Produkte, wertig und nach­haltig. Und wenn es „nur“ ein Glasl Stei­ri­scher Sauvi­gnon ist! Und Krapfen, aber Vorsicht: Die gibt’s katho­lisch und evan­ge­lisch. Wirk­liche Glau­bens­krapfen – die katho­li­schen bestehen aus Roggen­mehl und sind pikant mit Stei­rerkas gefüllt, die evan­ge­li­schen haben Weizen­mehl als Grund­lage und eine süße Füllung. Am Krapfen- Fami­li­en­re­zept erkannte man die Gesin­nung und diese Region darf sich wirk­lich Genuss­re­gion nennen!

Egal, ob mit der Eisen- oder Seil­bahn, ob mit zwei Bret­tern oder zwei Schienen – in Schlad­ming bleibt alles gelassen.

Auskunft: www.schladming-dachstein.at
Skige­biet: 123 Pisten­ki­lo­meter, zusammen mit weiteren Enns­tal­orten 230 km

Anreise: entspannt mit der Bahn, 2 Direkt­ver­bin­dungen ab München täglich, weitere mit Umstieg in Salz­burg

Tipps:

Im ehema­ligen Zehe­t­spei­cher in Haus sind liebe­voll zusam­men­ge­stellte Expo­nate unter­ge­kommen. Das Museum thema­ti­siert den Ski in all seinen Facetten, die lokalen Skihelden und die Rennen. Und dann lebt im Museum eben auch der Skiu­ller, eine nordi­sche Gott­heit, die als Beschützer der Schnee­s­port-Trei­benden gilt. Wahr­heit oder wieder nur Steirer Schmäh?

Ausflug auf den Dach­stein mit der neuen Berg­sta­tion mit Hänge­brücke, einer Himmels­leiter und Eisskulp­turen

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