AutoCity-Stromer im Vergleich 

Auf deut­schen Straßen fahren immer mehr E‑Auto-Modelle chine­si­scher Hersteller. War dies anfangs ein Phänomen der Ober­klasse, treten Marken wie Great Wall Motors (GWM) inzwi­schen auch im Klein­wa­gen­seg­ment auf. Wie schlägt sich so ein chine­si­scher City-Stromer im Vergleich mit einem euro­päi­schen? Wir lassen den fran­zö­si­schen Renault 5 gegen den Ora 03 von GWM antreten.

Design

Der größere Blick­fang ist klar der Renault. Neben der knal­ligen Farbe und den Ecken und Kanten besticht er auch mit vielen kleinen Details und Anspie­lungen auf seinen Urahn. Die Lade­an­zeige auf der Motor­haube, ein optio­naler Baguette­halter und ein Vehicle-to-Load-Adapter, der das Auto zur Steck­dose macht, zeigen, wie sich die Fran­zosen hier Gedanken gemacht haben.

Auffällig wie der Renault oder clean wie der Ora – beide Designs haben etwas für sich.

Der Ora ist dezenter, bedient mit seinen Rundungen das Kind­chen­schema und ist nicht so aggressiv. Damit findet auch er seine Fans, die nicht an jeder Ecke auf ihr auffäl­liges Auto ange­spro­chen werden wollen. Verspielte Details sucht man verge­bens, GWM war hier sehr sparsam. Tatsäch­lich findet sich außen nirgends der Namens­schriftzug des Modells, ledig­lich der Marken­name GWM. So fällt auch nicht auf, dass der Wagen nicht mehr auf seinen alten Namen „Funky Cat“ hört. Renault hat seinen Wagen mit unzäh­ligen Fünfern bestückt. Wer genau hinsieht, findet auch mehr­mals den fran­zö­si­schen Hahn und auf der Rück­seite des Fahrer­sitzes sind auf einer Art Wasch­zettel alle Vorgänger verewigt.

Überall hat Renault kleine Details versteckt.

Innen­raum

Auf der Rück­bank ist es im Renault für Erwach­sene recht beengt. Große Personen stoßen an die Decke und stecken mit den Knien in den Vorder­sitzen. Hier kann der Ora gut punkten. Er ist gut 30 Zenti­meter länger, was vor allem der zweiten Sitz­reihe zugu­te­kommt.

Das große Platz­an­gebot verspielt der Ora aber im Koffer­raum. Denn hier hat über­ra­schend der Renault die Nase vorn mit 326 Litern. Der Koffer­raum des Ora sieht zwar größer aus, doch er fasst ledig­lich 218 Liter.

Der Koffer­raum beim Ora sieht größer aus, als er ist.
Obwohl er kürzer ist, hat der Renault den größeren Koffer­raum.

Technik

Beim Info­tain­ment zeigt Renault, dass die Fran­zosen Erfah­rung haben. Die Menü­füh­rung ist durch­dacht, intuitiv und läuft sauber. Die Bedien-Kacheln sind groß genug, dass sie auch während der Fahrt gut gewählt werden können. Sinn­voll ausge­wählte hapti­sche Knöpfe ergänzen den Touch­screen.

Der Ora hat hier großen Nach­hol­be­darf. Die Menü­struktur ist unüber­sicht­lich und nicht verständ­lich aufge­baut. Begriffe sind zum Teil unver­ständ­lich, etwa der „Skill­baum“, auch optisch gibt es einen Bruch zwischen Kacheln, Text und verschie­denen Schrift­stilen.

Über­sicht­liche Menü­struktur im Renault 5.
Verwir­rende Struktur im Menü des Ora 03.

Für Unter­hal­tung sorgt im Renault der digi­tale Avatar „Reno“, der an die künst­liche Intel­li­genz ChatGPT ange­bunden ist und damit zum Beispiel auch Witze erzählen kann. Das klappt noch nicht ganz rund, ist aber char­mant aufge­setzt.

Auch mit dem Ora kann man reden, doch er versteht schlecht, seine Aussprache ist seltsam und die Antworten sind oft nur eine Umschrei­bung von „weiß ich nicht“. Alles in allem wirkt das Info­tain­ment nicht ganz ausge­reift.

Dazu kommt, dass der Ora ständig nervige Töne von sich gibt — beim Fahren, doch auch im Stehen und beim Aussteigen. Ein paar sind Pflicht, viele unnötig. Etwa die Melodie, die beim Abschließen gespielt wird. Die tönt in einer Laut­stärke, dass man sich abends im Wohn­ge­biet keine Freunde macht, auch wenn man sie ausschalten kann, irgendwo versteckt in einem Unter­me­nü­punkt „System­auf­for­de­rung“.

Fahrein­druck

Auf der Straße fühlen sich beide wohl. Der Renault ist etwas straffer vom Fahr­werk, die Lenkung sehr direkt. Der Ora geht alles etwas entspannter an. Das Lenkrad ist größer und so wirkt nach dem Umstieg von Renault zu Ora der Chinese ein biss­chen wie ein alter Käfer: Luftig durch große Fens­ter­flä­chen, aber auch mit einer viel weniger direkten Lenkung, als man das heute gewohnt ist. Sie lässt sich aber bei beiden Fahr­zeugen an die eigenen Bedürf­nisse anpassen. Der Renault behält aber immer seinen sport­li­chen Charakter.

Preis

Der Renault 5 startet bei 27.900 Euro. In der höchsten Ausstat­tungs­linie mit Extras wie Anhän­ger­kupp­lung, Fahr­rad­träger und weiteren Assis­tenz­sys­temen steigt der Preis auf 37.500 Euro. Der Ora 03 kann da nicht mithalten bezie­hungs­weise er über­trumpft den Renault deut­lich: Er startet in der Basis­ver­sion bei 38.990 Euro. In unserem Vergleich hat somit der Renault die Pole Posi­tion.

Den kompletten Vergleich im Video sehen:


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