Beim Fahren kurz aufs Handy schauen – für viele ganz normal. Doch dieser Moment ist hochriskant, denn nur wenige Sekunden Ablenkung reichen aus, um die Unfallgefahr drastisch zu erhöhen. Die ACE-Clubinitiative 2026 will Bewusstsein schaffen.
Frankfurt am Main, Baseler Platz am Rande des Bahnhofviertels – hier fand am 19.03. der Auftakt der ACE-Clubinitiative „Kopf hoch!“ statt. Ziel dieses Jahr ist es, Autofahrerinnen und Autofahrer für die große Unfallgefahr zu sensibilisieren, die durch das Bedienen von Smartphones während einer Fahrt im Straßenverkehr entsteht.
ACE-Ehrenamtliche im Einsatz –Ehrenamtliche aus der Region Hessen trafen sich am frühen Morgen, um, mit einer Checkliste ausgerüstet, die Autofahrenden zu erfassen, die auf den stark frequentierten Straßen rund um den Baseler Platz mit einem Handy am Ohr oder in der Hand unterwegs waren. Das Ganze natürlich völlig anonym. Insgesamt werden die rund 700 Ehrenamtlichen des ACE bis in den Sommer stichprobenartig die Smartphone-Ablenkung an mehr als 250 Kreuzungen im ganzen Bundesgebiet checken.


Das Thema hat Brisanz – und die nimmt zu: Laut einer Studie des Allianz Zentrums für Technik (AZT) aus dem Jahr 2023 zeigen die Zahlen deutlich, dass sich vor allem junge Autofahrerinnen und Autofahrer zwischen 18 und 24 Jahren sehr häufig durch Smartphones ablenken lassen. Aber nicht nur diese Altersklasse ist betroffen. Autofahrende jeden Alters telefonieren, suchen oder schreiben während der Fahrt.

„Wer auch nur einen Moment chattet oder scrollt, riskiert, einen Menschen zu übersehen.“
Sven-Peter Rudolph, Vorsitzender des ACE
Kein Randphänomen mehr – „Ablenkung am Steuer ist längst kein Randphänomen mehr, sondern Alltag auf unseren Straßen“, weiß Sven-Peter Rudolph, Vorsitzender des ACE, und erklärt: „Tausende Unfälle mit Personenschaden gehen jedes Jahr auf Unaufmerksamkeit zurück, viele davon stehen im Zusammenhang mit der Nutzung elektronischer Geräte. Wer auch nur einen Moment chattet oder scrollt, riskiert, einen Menschen zu übersehen. Und dennoch greifen täglich unzählige Autofahrende ganz selbstverständlich zum Handy, wenn die Aufmerksamkeit eigentlich der Straße gehört.“
Die Tendenz ist steigend – darin sind sich auch andere Experten einig: Auf dem Deutschen Verkehrsgerichtstag in Goslar, der im Januar dieses Jahres stattfand, wurde durch Experten betont, dass die Ablenkung am Steuer ein erhebliches Unfallrisiko darstellt – eine zentrale Rolle nimmt dabei das Smartphone ein.


Die Unfallzahlen sprechen für sich – die Unfallstatistik 2024 des Statistischen Bundesamts verdeutlicht, dass bei insgesamt 8.722 Unfällen mit Personenschaden im Straßenverkehr Ablenkung als Unfallursache ausschlaggebend war. In 1.039 Fällen konnte konkret die Nutzung elektronischer Geräte polizeilich erfasst werden. Insgesamt sind dabei 25 Menschen ums Leben gekommen. Die Dunkelziffer von Unfällen, bei denen die Nutzung elektronischer Geräte wie Smartphones eine wesentliche Rolle gespielt hat, liegt laut Experten deutlich höher. Es ist davon auszugehen, dass viele nach einem Unfall nicht angeben, durch ein Smartphone abgelenkt gewesen zu sein – insbesondere, wenn dabei andere verletzt wurden. In solchen Fällen kann dies als grob fahrlässig gewertet werden und strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.


Ein paar Sekunden reichen schon aus – das Smartphone ist für viele Menschen ein ständiger Begleiter – auch im Auto. Oft wird fast das ganze Leben darüber gemanagt: Einkäufe, Verabredungen und Termine, Buchungen, Rückmeldungen, ein Smartphone ist die Kommunikationszentrale für die alltäglichen Dinge des Lebens geworden. Privat wie beruflich. Da ist es für viele ganz logisch, einfach schnell mal draufzuschauen und zu swipen, zu tippen oder zu diktieren. Es sind ja nur ein paar Sekunden – die Folgen können fatal sein. Wer bei Tempo 50 innerorts zwei Sekunden nicht auf die Straße blickt, der legt rund 28 Meter im Blindflug zurück. Selbst bei Tempo 30 sind das noch 17 Meter. Und das jeweils mindestens, denn die Reaktions- und Bremszeiten sind bei dieser doch recht einfachen Betrachtung noch gar nicht miteingeschlossen. Das reicht in beiden Fällen für einen Unfall mit schwerwiegenden Folgen für die Betroffenen.


Besonders gefährdet – vor allem im Stadtverkehr – sind schwächere Verkehrsteilnehmende, die zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs sind. Sie haben bei einem Zusammenstoß mit einem Auto bei 30 oder 50 km/h so gut wie keine Chance. Aber natürlich sollten idealerweise auch nicht diejenigen, die zu Fuß unterwegs sind, ihren Blick nur aufs Smartphone richten. Vor allem, wenn sie an vielbefahrenen Straßen und Kreuzungen die Seiten wechseln.
Das Ergebnis in Frankfurt – am Baseler Platz ist die Arbeit getan. Die Ehrenamtlichen des ACE haben 207 Fahrzeuge gezählt und bei 14 von ihnen Smartphone-Verstöße am Steuer erfasst. Bei einer Polizeikontrolle wären hier ohne Gefährdung mindestens 100 Euro Bußgeld und ein Punkt fällig gewesen – geregelt in § 23 StVO. Gespannt darf man auf das Endergebnis sein. Klar ist: der ACE will ein Zeichen setzen und ein Bewusstsein schaffen, dass wir diese Entwicklung nicht länger hinnehmen dürfen, denn ein kurzer Blick aufs Display kann über Leben und Tod entscheiden.
Hier erfahren Sie alles zur ACE-Clubinitiative „Kopf hoch!“:
www.ace-clubinitiative.de
