ClubBin mal kurz weg

Fotos: ACE/Lukas Frontzek, imago images/Hoch Zwei Stock/Angerer (1), stock.adobe.com/Ronald Ramsch

Beim Fahren kurz aufs Handy schauen – für viele ganz normal. Doch dieser Moment ist hoch­ris­kant, denn nur wenige Sekunden Ablen­kung reichen aus, um die Unfall­ge­fahr dras­tisch zu erhöhen. Die ACE-Clubinitia­tive 2026 will Bewusst­sein schaffen.

Frank­furt am Main, Baseler Platz am Rande des Bahn­hof­vier­tels – hier fand am 19.03. der Auftakt der ACE-Clubinitia­tive „Kopf hoch!“ statt. Ziel dieses Jahr ist es, Auto­fah­re­rinnen und Auto­fahrer für die große Unfall­ge­fahr zu sensi­bi­li­sieren, die durch das Bedienen von Smart­phones während einer Fahrt im Stra­ßen­ver­kehr entsteht.

ACE-Ehren­amt­liche im Einsatz –Ehren­amt­liche aus der Region Hessen trafen sich am frühen Morgen, um, mit einer Check­liste ausge­rüstet, die Auto­fah­renden zu erfassen, die auf den stark frequen­tierten Straßen rund um den Baseler Platz mit einem Handy am Ohr oder in der Hand unter­wegs waren. Das Ganze natür­lich völlig anonym. Insge­samt werden die rund 700 Ehren­amt­li­chen des ACE bis in den Sommer stich­pro­ben­artig die Smart­phone-Ablen­kung an mehr als 250 Kreu­zungen im ganzen Bundes­ge­biet checken.

Brie­fing: Ehren­amt­liche der Region Hessen und ACE Vorsit­zender Sven-Peter Rudolph am Baseler Platz in Frank­furt am Main beim Auftakt der ACE-Clubinitia­tive 2026.
Handy am Steuer? Ehren­amt­liche des ACE hat den Verkehr mit wachem Blick im Auge.

Das Thema hat Brisanz – und die nimmt zu: Laut einer Studie des Allianz Zentrums für Technik (AZT) aus dem Jahr 2023 zeigen die Zahlen deut­lich, dass sich vor allem junge Auto­fah­re­rinnen und Auto­fahrer zwischen 18 und 24 Jahren sehr häufig durch Smart­phones ablenken lassen. Aber nicht nur diese Alters­klasse ist betroffen. Auto­fah­rende jeden Alters tele­fo­nieren, suchen oder schreiben während der Fahrt.

„Wer auch nur einen Moment chattet oder scrollt, riskiert, einen Menschen zu über­sehen.“

Sven-Peter Rudolph, Vorsit­zender des ACE

Kein Rand­phä­nomen mehr – „Ablen­kung am Steuer ist längst kein Rand­phä­nomen mehr, sondern Alltag auf unseren Straßen“, weiß Sven-Peter Rudolph, Vorsit­zender des ACE, und erklärt: „Tausende Unfälle mit Perso­nen­schaden gehen jedes Jahr auf Unauf­merk­sam­keit zurück, viele davon stehen im Zusam­men­hang mit der Nutzung elek­tro­ni­scher Geräte. Wer auch nur einen Moment chattet oder scrollt, riskiert, einen Menschen zu über­sehen. Und dennoch greifen täglich unzäh­lige Auto­fah­rende ganz selbst­ver­ständ­lich zum Handy, wenn die Aufmerk­sam­keit eigent­lich der Straße gehört.“

Die Tendenz ist stei­gend – darin sind sich auch andere Experten einig: Auf dem Deut­schen Verkehrs­ge­richtstag in Goslar, der im Januar dieses Jahres statt­fand, wurde durch Experten betont, dass die Ablen­kung am Steuer ein erheb­li­ches Unfall­ri­siko darstellt – eine zentrale Rolle nimmt dabei das Smart­phone ein.

Trau­riger Alltag: Viele Auto­fah­re­rinnen und Auto­fahrer tele­fo­nieren oder tippen während der Auto­fahrt und lassen sich so ablenken.
Stan­dar­di­sierte Check­liste: Für die Clubinitia­tive „Kopf hoch!“ entwi­ckelt – anhand der Liste wird der Handy­ge­brauch hinterm Steuer erfasst.

Die Unfall­zahlen spre­chen für sich – die Unfall­sta­tistik 2024 des Statis­ti­schen Bundes­amts verdeut­licht, dass bei insge­samt 8.722 Unfällen mit Perso­nen­schaden im Stra­ßen­ver­kehr Ablen­kung als Unfall­ur­sache ausschlag­ge­bend war. In 1.039 Fällen konnte konkret die Nutzung elek­tro­ni­scher Geräte poli­zei­lich erfasst werden. Insge­samt sind dabei 25 Menschen ums Leben gekommen. Die Dunkel­ziffer von Unfällen, bei denen die Nutzung elek­tro­ni­scher Geräte wie Smart­phones eine wesent­liche Rolle gespielt hat, liegt laut Experten deut­lich höher. Es ist davon auszu­gehen, dass viele nach einem Unfall nicht angeben, durch ein Smart­phone abge­lenkt gewesen zu sein – insbe­son­dere, wenn dabei andere verletzt wurden. In solchen Fällen kann dies als grob fahr­lässig gewertet werden und straf­recht­liche Konse­quenzen nach sich ziehen.

Harte Fakten. Im Jahr 2024 verun­glückten 1.039 Menschen durch Ablen­kung mit elek­tro­ni­schen Geräten im Stra­ßen­ver­kehr.
Schnell passiert. Zwei Sekunden abge­lenkt bei 50 km/h inner­orts sind 28 Meter gefähr­li­cher Blind­flug.

Ein paar Sekunden reichen schon aus – das Smart­phone ist für viele Menschen ein stän­diger Begleiter – auch im Auto. Oft wird fast das ganze Leben darüber gema­nagt: Einkäufe, Verab­re­dungen und Termine, Buchungen, Rück­mel­dungen, ein Smart­phone ist die Kommu­ni­ka­ti­ons­zen­trale für die alltäg­li­chen Dinge des Lebens geworden. Privat wie beruf­lich. Da ist es für viele ganz logisch, einfach schnell mal drauf­zu­schauen und zu swipen, zu tippen oder zu diktieren. Es sind ja nur ein paar Sekunden – die Folgen können fatal sein. Wer bei Tempo 50 inner­orts zwei Sekunden nicht auf die Straße blickt, der legt rund 28 Meter im Blind­flug zurück. Selbst bei Tempo 30 sind das noch 17 Meter. Und das jeweils mindes­tens, denn die Reak­tions- und Brems­zeiten sind bei dieser doch recht einfa­chen Betrach­tung noch gar nicht mitein­ge­schlossen. Das reicht in beiden Fällen für einen Unfall mit schwer­wie­genden Folgen für die Betrof­fenen.

Die Schwä­cheren. Radfah­rende und Menschen unter­wegs zu Fuß sind beson­ders gefährdet.
Lage­be­spre­chung. Am Ende der Auftak­tak­tion wird klar, 14 von 207 Auto­fah­renden lenkten ihre Aufmerk­sam­keit in das Handy statt auf die Straße.

Beson­ders gefährdet – vor allem im Stadt­ver­kehr – sind schwä­chere Verkehrs­teil­neh­mende, die zu Fuß oder mit dem Rad unter­wegs sind. Sie haben bei einem Zusam­men­stoß mit einem Auto bei 30 oder 50 km/h so gut wie keine Chance. Aber natür­lich sollten idea­ler­weise auch nicht dieje­nigen, die zu Fuß unter­wegs sind, ihren Blick nur aufs Smart­phone richten. Vor allem, wenn sie an viel­be­fah­renen Straßen und Kreu­zungen die Seiten wech­seln.

Das Ergebnis in Frank­furt – am Baseler Platz ist die Arbeit getan. Die Ehren­amt­li­chen des ACE haben 207 Fahr­zeuge gezählt und bei 14 von ihnen Smart­phone-Verstöße am Steuer erfasst. Bei einer Poli­zei­kon­trolle wären hier ohne Gefähr­dung mindes­tens 100 Euro Bußgeld und ein Punkt fällig gewesen – gere­gelt in § 23 StVO. Gespannt darf man auf das Endergebnis sein. Klar ist: der ACE will ein Zeichen setzen und ein Bewusst­sein schaffen, dass wir diese Entwick­lung nicht länger hinnehmen dürfen, denn ein kurzer Blick aufs Display kann über Leben und Tod entscheiden.

Hier erfahren Sie alles zur ACE-Clubinitia­tive „Kopf hoch!“:
www.ace-clubinitiative.de


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