Nie war Autofahren so teuer wie heute. Für gebrauchte E‑Autos gilt das nicht, sie leiden unter hohem Wertverlust, doch die Nachfrage zieht gerade sehr stark an. Wer das Angebot vergleicht und günstigen Strom nutzt, kann jetzt richtig sparen.
Die Trennung von Adam war nicht leicht, Meike Keller hat ihren stylischen kleinen Opel sehr gemocht. Sparsam und zuverlässig war er auch, vermutlich hätte sie ihn weitergefahren, wenn ihr der Opel-Händler nicht dieses Angebot gemacht hätte: ein Corsa Electric GS Long Range zum halben Neupreis. Glatte 20.000 Euro hat die Sozialpädagogin dafür bezahlt. Das ist ein Wort, denn der Corsa war ein ganz junger Gebrauchter, der in 16 Monaten erst 12.000 Kilometer abgespult hatte. Und damit ging der Spaß am Sparen für Meike Keller erst los, weil sie den Strom zum Laden des E‑Autos mit ihrer eigenen Solaranlage produziert. „Im Sommer kostet das pro Kilowattstunde nur die acht Cent, die ich fürs Einspeisen ins Netz bekäme“, sagt die Umsteigerin aus dem ländlichen Osten Hamburgs, „und im Winter bezahle ich 28 Cent, das ist unser Hausstromtarif“. Bei einem Durchschnittsverbrauch von 15 kWh kosten 100 Kilometer also höchstens 4,20 Euro. Da kommt kein Adam mit. Selbst dann nicht, wenn die Öltanker irgendwann wieder ungehindert durch die Straße von Hormus kreuzen.
Gut und günstig: 5 empfehlenswerte gebrauchte Verbrenner unter 20.000 Euro
Tipps für den Gebrauchtwagenkauf
Das sagt fast kein Händler seinen Kunden und Kundinnen: Auch heute gibt es noch Problem-Autos mit anfälliger Technik. Neben spinnender Elektronik sind Motor- und Getriebeschäden gar nicht so selten. In Internet-Foren werden diese marken- und modelltypischen Schäden ausführlich diskutiert und analysiert. Neben Laien schreiben oft auch Werkstattprofis mit. Es lohnt sich, vor der Entscheidung für ein bestimmtes Modell mal reinzulesen.
Ein Blick ins Wartungsheft ist Pflicht, viele moderne Motoren reagieren empfindlich auf nachlässige Wartung. Vergessene Ölwechsel können zu erhöhtem Verschleiß und Schäden führen.
Gerade bei günstigen Gebrauchten kann der Pflegezustand und die Wartungshistorie wichtiger sein als das Baujahr oder die Laufleistung. Autos aus seniorigem Vorbesitz sind oft ein guter Kauf – sofern die Schadstoffklasse nicht von vorgestern ist.
Viele nehmen lieber einen Neuen
Sicher, 20.000 Euro sind kein Pappenstiel für einen Corsa: Man muss sich das Sparen erst mal leisten können. Doch viel teurer als Verbrenner sind gebrauchte E‑Autos inzwischen nicht mehr. Das liegt an den sinkenden Preisen der Neuwagen, aber auch daran, dass viele Kaufinteressenten keine Stromer aus Vorbesitz haben wollen: Stattdessen nehmen sie lieber einen Neuen mit staatlicher Förderung. Zudem locken aktuell fast alle Hersteller mit zusätzlichen Nachlässen: Bei Volkswagen waren es Anfang April 4.000 Euro auf jedes neue E‑Modell, Ford lobt pauschal 5.000 Euro aus und Smart sogar bis zu 6.000 Euro.
Verbrenner sind nur noch selten günstiger
„Nur neun Prozent aller Käufer suchen nach einem Gebrauchten“, melden die Marktbeobachter der Deutschen Auto Treuhand (DAT). Der Wertverlust junger E‑Autos fällt daher vergleichsweise hoch aus, in den ersten drei Jahren sind es im Schnitt fast 50 Prozent. Für Käufer ist das eine gute Nachricht: Wer in der Preisklasse um 18.000 Euro sucht, hat bei Volkswagen-Händlern die freie Wahl aus dem Golf 8 als Benziner oder Diesel von 2022, kann aber auch im gleich alten VW ID.3 Pro mit dem mittelgroßen 62-kWh-Akku nach Hause surren. Viele Kilometer haben sie alle nicht gesammelt, meist sind es um die 70.000. Und natürlich gehört in allen Fällen eine Gebrauchtwagen-Garantie dazu.
Viel teurer als Verbrenner sind gebrauchte E‑Autos inzwischen nicht mehr.
Gut und günstig: 5 empfehlenswerte gebrauchte E‑Autos unter 20.000 Euro
Tipps für den Gebrauchtwagenkauf
Passt ein E‑Auto zum eigenen Fahrprofil? Die Antwort liefert eine ausgedehnte Probefahrt mit Stadt‑, Land- und Autobahn-Anteil. Stromverbrauch und Reichweite lassen sich per Bordcomputer ermitteln. Dass die tatsächliche Reichweite geringer ausfällt als vom Hersteller versprochen, ist normal.
Bei der Suche im Internet ist es wichtig, auf die Batteriekapazität zu achten. Den Renault Zoe gibt es beispielsweise mit 22‑, 41- und 52-kWh-Akku. Geworben wird meist mit der Brutto‑, nicht mit der tatsächlich nutzbaren Nettokapazität. Nicht jeder Anbieter erwähnt, welche Batterie eingebaut ist – Nachfragen zahlt sich aus.
Ein zertifizierter Batteriecheck ist empfehlenswert, seriöse Verkäufer haben nichts dagegen und tragen selbstverständlich die Kosten. Ermittelt wird der State of Health, kurz SoH, also die Restkapazität des Akkus. Je nach Nutzung liegt der Leistungsverlust zwischen 1,5 und 3,5 Prozent im Jahr.
Auch bei jungen Gebrauchten lohnt sich ein Blick auf den Zustand der Reifen und der Bremsscheiben. Einseitig abgefahrene Reifen und verschlissene Bremsscheiben sind typische E‑Auto-Mängel, die auch Aufschluss über den Fahrstil der Vorbesitzer geben. Generell fallen die Wartungskosten eines E‑Autos im Vergleich zum Benziner aber günstiger aus.
Die Wallbox ist ein oftmals unterschätzter Kostenfaktor, inklusive Installation kommt schnell ein vierstelliger Betrag zusammen. In einigen Bundesländern gibt es allerdings Förderprogramme, auch lokale Energieversorger unterstützen E‑Auto-Fahrer mit Zuschüssen und Prämien. Das Laden an der Haushaltssteckdose ist zwar möglich, sollte aus Sicherheitsgründen aber nur eine Notlösung sein.
Ab 10.000 Euro werden E‑Autos für Wenigfahrende interessant
Viele Argumente für einen Verbrenner bleiben in diesem Preissegment aktuell nicht übrig. Selbst für unter 10.000 Euro gibt es inzwischen brauchbare E‑Autos wie etwa den Renault Zoe oder den BMW i3, den die Fanszene schon als Klassiker von morgen handelt. Beide haben in der Low-Budget-Preisklasse zwar meist nur den kleinen 22-kWh-Akku an Bord, wie er vor gut zehn Jahren üblich war, doch für alle, die täglich nur kurze Strecken pendeln oder wenig fahren, reicht der Aktionsradius von rund 100 Kilometern aus. Außerdem ist der zu erwartende Wertverlust in dieser Preisklasse so gering, dass sich kostenbewusste Käuferinnen und Käufer nicht nur über die geringen Verbrauchskosten freuen.

Unter 20.000 Euro dominieren Kompakte
Noch immer gilt, dass ein E‑Auto zum Fahrprofil seines Besitzers oder seiner Besitzerin passen muss. Wer ständig lange Strecken abreißt, am anderen Ende der Republik arbeitet oder ein Feriendomizil am Meer besitzt, könnte mit einem Verbrenner vorerst noch besser bedient sein als mit einem gebrauchten Elektroauto der Einsteiger-Klasse. Und gerade im Preisbereich bis 20.000 Euro beschränkt sich dort die Auswahl der jungen Gebrauchten auf Kleinwagen und Kompakte: In der Kombi-Klasse bieten Verbrenner die etwas größere Modellvielfalt. Auch Camper, die einen Wohnwagen ankuppeln wollen, kommen mit der Anhängelast eines konventionellen Zugwagens oft besser klar. Ganz abgesehen davon, dass der Anhänger vor der Ladestation meist abgekuppelt werden muss. Das war’s aber auch schon mit den Nachteilen gebrauchter E‑Autos.
Wer auf öffentliche Ladestationen angewiesen ist, sollte sich mit Abo-Modellen und AdHoc-Laden beschäftigen
Schnellladen geht ins Geld – und auf den Akku
Wirklich billig fährt vor allem, wer zu Hause oder auf dem Firmenparkplatz lädt: Bei einer Jahresfahrleistung von 15.000 Kilometern ist im Vergleich zum Benziner eine Ersparnis von rund 1.500 Euro drin – und da ist die Befreiung von der Kfz-Steuer noch nicht eingerechnet. Dazu gibt es aktuell jährlich 200–300 Euro für die THG-Quote. Wer dagegen viel fährt und auf öffentliche Ladestationen angewiesen ist, sollte über ein kostenpflichtiges Abo nachdenken. Dann kostet selbst Schnellladen nur etwa 40 Cent pro Kilowattstunde und damit nicht viel mehr als zuhause. Wer sich an keinen Anbieter binden will, wird dagegen oft bis zu 80 Cent pro Kilowattstunde los. Unterm Strich ist das E‑Auto dann so teuer wie ein Verbrenner. Jedoch gewinnt das sogenannte AdHoc-Laden eine immer wichtigere Rolle: Also das unkomplizierte Laden direkt an der Säule ohne Registrierung oder Vertrag – einfach anstecken, bezahlen und losfahren. Zuletzt ist das immer häufiger möglich ‑und geht beim Discounter oft schon bei 29 oder 39 Cent die Kilowattstunde los. Achtung: Häufiges Schnellladen ist nicht nur teurer, sondern stresst den Akku, ebenso wie regelmäßiges Laden auf 100 Prozent oder längere Standzeiten mit voller oder fast leerer Batterie.
Auch das Vorleben zählt
Ebenso wichtig wie der Batteriecheck ist ein Blick in die Papiere eines Gebrauchten. Das gilt natürlich für alle Antriebsarten: Auch junge Autos können ein anstrengendes Leben als Mietwagen, Carsharing-Fahrzeug oder Pizzataxi hinter sich haben. Wer damit leben kann, hat besonders gute Karten beim Drücken des Preises, das gilt auch für Reimporte oder Fahrzeuge mit reparierten Unfallschäden. Alle anderen profitieren davon, dass die Auswahl so groß ist wie noch nie: allein bei mobile.de sind aktuell rund 80.000 E‑Autos im Angebot, das erleichtert die Marktbeobachtung, das Vergleichen der Preise und damit auch zielführendes Verhandeln. Doch Achtung, im Zuge hoher Spritpreise steigt die Nachfrage aktuell rasant an, vor allem in der Klasse bis 20.000 Euro ist das Angebot zuletzt geschrumpft. Und: Zum ersten Mal waren Anfang des Jahres mehr als zwei Millionen E‑Autos auf deutschen Straßen unterwegs. Und irgendwann kommen sie alle auf den Markt.
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