Noch schneller aufladen, noch mehr Reichweite: Die technologischen Fortschritte bei Elektroautos sind enorm. Viele Stromer sind längst so alltagstauglich wie Verbrenner.
Es hat sich etwas getan
Für die Elektromobilität bleibt es dieses Jahr spannend. Nicht zuletzt wegen der steigenden Spritpreise. Die Technologie steht laut Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) vor dem Durchbruch: Endlich haben heimische Hersteller wettbewerbsfähige und vor allem reichweitenstarke E‑Autos entwickelt – etwa BMW den iX3 oder Mercedes-Benz den CLA. Beide bieten mehr als 700 Kilometer Reichweite (WLTP) und schnelles Aufladen dank 800-Volt-System.
Sind Diesel und Benziner bald überflüssig?
Zumindest holen Elektroautos rasant auf, was ihre lange bezweifelte Alltagstauglichkeit betrifft. Früher wegen teils geringer Reichweite belächelt, sind ausgedehnte Autobahn-Strecken heute für viele Stromer kein Problem mehr.
Untersuchungen: Reichweite im Alltag
Ein Großteil der täglichen Strecken kann bereits mit heute üblichen Batteriegrößen problemlos bewältigt werden. So müssen viele Pendlerinnen und Pendler bei einem sehr hohen Anteil ihrer Fahrten überhaupt nicht nachladen. Untersuchungen aus „Mobilität in Deutschland 2023“ (Studie des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr) die 2025 vorgestellt wurden, belegen, dass Alltagsmobilität überwiegend aus kurzen Distanzen besteht.
Gleichzeitig bleibt die Nachfrage nach Fahrzeugen mit großer Reichweite hoch: Viele Käuferinnen und Käufer bevorzugen weiterhin Modelle mit deutlich über 500 Kilometern Reichweite (WLTP), unter anderem weil die reale Reichweite geringer ausfällt und das, obwohl diese im Alltag nur selten vollständig genutzt wird.
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Die deutsche E‑Mobilität holt auf
Eigentlich ist man in München und Stuttgart mit den neuen Modellen recht spät dran. Denn die Konkurrenz bietet solche Technik schon länger. Der koreanische Hyundai-Konzern, zu dem auch die Marken Kia und Genesis gehören, brachte Autos mit 800-Volt-Schnellladetechnik bereits vor fünf Jahren auf den Markt. Der seit 2022 gebaute Hyundai Ioniq 6 gehört weiterhin zu den effizientesten Elektroautos. Das „Facelift“ kommt mit größerem Akku und mehr Ladeleistung: Bis zu 260 Kilowatt pro Stunde sind möglich. Damit dauert es im Idealfall keine 20 Minuten, bis die Batterie von 10 auf 80 Prozent gefüllt ist. Auf der Autobahnraststätte heißt das oft: kurz zur Toilette gehen, einen Kaffee holen – und danach geht es schon wieder weiter.


BMW iX3: Bis zu 800 km Reichweite (WLTP), lädt im Idealzustand bis zu 350 km in zehn Minuten.
Mercedes-Benz CLA: Bis zu 790 km Reichweite (WLTP), lädt idealerweise mehr als 300 km in zehn Minuten.
400 km in fünf Minuten laden?
Das Modell aus Korea ist nur ein Beispiel für die technologischen Entwicklungssprünge, die Elektroautos derzeit machen. Aktuell macht BYD mit dem Seal 08 von sich reden, der 400 Kilometer Reichweite in nur fünf Minuten laden soll. Belegt wird die rasante Entwicklung der Elektromobilität durch Daten der Deutschen Automobil Treuhand GmbH (DAT). Danach legte die durchschnittliche Reichweite aller erhältlichen BEV-Modelle in den vergangenen fünf Jahren um fast 54 Prozent zu: Lag diese 2020 noch bei maximal 322 Kilometern, beträgt sie 2025 durchschnittlich 495 Kilometer. Beim Ladetempo sind die Fortschritte laut DAT ebenfalls markant. Benötigten BEV im Jahr 2020 rund 16 Minuten um 100 zusätzliche Fahrkilometer zu laden, sind es nun im Durchschnitt nur noch 9 Minuten.

BYD Seal U: Er verspricht ein Laden von 400 Kilometer in nur fünf Minuten.
Ladeleistung: Theorie und Praxis
Die Ladeleistungen sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Hersteller geben dabei oft hohe Spitzenwerte an, die in der Praxis meist nur kurzzeitig erreicht werden. Wichtig für die maximale Ladeleistung ist, dass die Batterie sich in einem Wohlfühl-Temperaturfenster befindet, dafür sorgt die sogenannte Vorkonditionierung. Die Ladeleistung ist jedoch nicht nur von den Fahrzeugen abhängig, sondern auch von der Ladeinfrastruktur: manchmal wird an Schnellladesäulen die Ladeleistung aufgeteilt, dann stehen an einer Säule beispielsweise nicht für jedes Fahrzeug 300 kW zur Verfügung sondern beispielsweise nur 150 kW, wenn zwei Fahrzeuge gleichzeitig laden.
Mehr zum Thema Elektroauto laden:
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Einschätzung der DAT: Zwei Trends sind der Treiber
Für die rasche Weiterentwicklung sind zwei Trends wesentlich, sagt Martin Endlein von der DAT.
- Bei hochpreisigen und großen Elektroautos hat sich vor allem die Ladegeschwindigkeit deutlich verändert, während die Reichweiten nicht im gleichen Maße gestiegen sind. Auf den Markt kommen immer mehr Modelle mit 800-Volt-Technologie, die das Ladetempo deutlich erhöhen.
- Die zweite Entwicklung zeigt sich in kleineren und günstigeren Klassen. Hier hat sich die Ladegeschwindigkeit weniger stark verbessert, die 800-Volt-Technologie konnte sich bislang kaum durchsetzen. Dafür wurde die Batteriekapazität erhöht, was die Reichweite steigert. Zudem versuchen Hersteller, die Effizienz zu verbessern – etwa durch Aerodynamik oder ein ausgeklügeltes Batteriemanagement.
Wer ist effizienter?
Als effizient preist die Autoindustrie seit jeher auch ihre Verbrennermodelle an. Die größten Entwicklungssprünge liegen hier jedoch Jahrzehnte zurück: Vierventiltechnik, Turbolader und Direkteinspritzung ermöglichten kleinere Motoren bei gesteigerter Leistung. Doch was dadurch eingespart wurde, wurde durch größere Fahrzeuge wieder aufgehoben. Der durchschnittliche Kraftstoffverbrauch stagniert laut Umweltbundesamt seit Jahren bei rund 7,4 Litern pro 100 Kilometer.
Elektroautos gehen konstruktionsbedingt deutlich effizienter mit Energie um. Bis zu 90 Prozent des Stroms werden zur Fortbewegung genutzt, bei Verbrennungsmotoren liegt der Wirkungsgrad bei etwa 40 Prozent. Dennoch gibt es auch bei Elektroautos Unterschiede beim Verbrauch. Die tatsächlichen Werte liegen – wie bei Verbrennern – häufig über den Herstellerangaben.
Der Ausblick ist positiv
Dennoch bleibt die grundsätzlich positive Entwicklung bestehen: Elektroautos werden bei Lade- und Reichweiten-Performance weiter zulegen. Der rasante Fortschritt hat allerdings auch eine Kehrseite: Viele Käufer reagieren abwartend, weil sich die Technik schnell weiterentwickelt und Fahrzeuge rasch an Attraktivität verlieren. Zwar wünschen sich viele Autofahrer Reichweiten von 500 Kilometern und mehr. Die meisten benötigen sie im Alltag jedoch nicht.
Studien zeigen, dass selbst Fahrzeuge mit kleineren Batterien für den Großteil der Fahrten ausreichen. Dennoch bedienen Hersteller diese Nachfrage. Für größere und leistungsstärkere Modelle lassen sich höhere Preise erzielen. Damit setzt sich ein Trend fort, der schon bei Verbrennern zu beobachten war: Die Fahrzeuge werden größer und schwerer, was die Effizienz schmälert.
Wann kommen kleinere Modelle?
Anreize könnten helfen, kleinere und sparsamere Modelle attraktiver zu machen. Einige Länder in Europa, etwa Frankreich, besteuern besonders schwere Fahrzeuge stärker. Mit anderen Worten: Ein großes Elektroauto verbraucht zwar mehr Strom als ein kleines, bleibt aber deutlich effizienter als ein Benziner oder Diesel. Für den Massenmarkt sind aber vor allem die kleineren und günstigeren Modelle entscheidend. Frankreich zeigt aktuell mit der elektrischen Neuauflage des legendären Twingo, wohin die Reise gehen kann.
