Der Lynk & Co 08 ist ein Plug-in-Hybrid und kann 200 Kilometer rein elektrisch fahren. Bewährt sich das System? Wir sind den Super-Hybrid gefahren.
Autos, die Strom laden und Sprit tanken können: Plug-In-Hybride (PHEV) werden gerne als das „Beste aus zwei Welten“ beworben. Trifft dieses Versprechen der Industrie zu, ist der Lynk & Co 08 der neue Champion.
1
Kilometer
elektrische Reichweite hat
der Lynk & Co 08 offiziell.
Damit kommt der 08 mit einer Akkuladung so weit wie kein PHEV zuvor. Seine Reichweite ist außerdem auch fast größer als die von manch reinem E‑Auto.
Reichweiten verschiedener E‑Autos und PHEVs
Mercedes Benz C 350e, 2015, PHEV
31 km
Peugeot 308 SW, 2026, PHEV
85 km
BYD F3DM, 2008, PHEV
100 km
Renault Zoe, 2013, E‑Auto
210 km
Dacia Spring, 2026, E‑Auto
225 km
Ist der Akku des 08 leer, darf der Benziner ran. Er schöpft seine Energie aus einem 60-Liter-Tank. Der soll für zusätzliche 915 Kilometer reichen.
Lynk & Co ist Tochter des chinesischen Geely-Konzerns, zu dem Marken wie Volvo und Polestar gehören. In Deutschland bot Lynk & Co ein flexibles Abo-Modell an, das „Netflix für Autos“ wollte man sein. Doch wenige Menschen wollten Modelle wie den kompakten, aber beliebig wirkenden Lynk & Co 01 fahren.
Der neue 08 rollt im XL-Format an. Bullig sieht das 2,1 Tonnen schwere SUV aus, die riesigen Räder gleichen Walzen. Im Test zeigt sich, dass man mit dem Teilzeit-Stromer tatsächlich viele Strecken elektrisch zurücklegen kann.
Im Stadtverkehr fährt der 08 meist mit Strom, selbst bei zügigem Beschleunigen wird der Benzinmotor kaum bemüht. Über den Fahrmodus „Pure“ lässt er sich ganz ausschalten. Das klappt auch auf der Autobahn. Wer die Modi „Hybrid“ oder „Power“ wählt, nutzt beide Antriebsarten kombiniert. Läuft der Verbrennungsmotor, lädt er den Akku der E‑Maschine mit auf.
Der Lynk & Co kann sogar schnellladen. An entsprechenden DC-Ladesäulen soll der Akku in nur 33 Minuten von 10 auf 80 Prozent gebracht werden können. Auf einer Fahrt von Berlin nach Hamburg testen wir das.
Besteht der Hybrid im Test?
Im Praxistest schwächelt der Lynk und Co. Statt mit bis zu 85 kW Ladeleistung lädt er nur mit 40 kW. Wegen Termindrucks müssen wir mit halbvollem Akku weiter. Bald muss daher der Verbrenner ran, ein hochtourig und nervös klingender 1,5‑Liter-Turbobenziner.

Das Laden sollte zügig gehen. Nur knapp 30 Minuten bei 85 kW.

Die Realität sieht anders aus. In unsern Test waren maximal 40 kW drin.
Es ist die Krux der Hybridtechnik: So schön leise und umweltfreundlich elektrisches Fahren ist – im Alltag sind die PHEV-Akkus dann doch zu klein und die Autos fahren oft mit Benzin.
Die europäische Umweltorganisation Transport & Environment (T&E) wertete die Daten von 127.000 PHEV aus. Eigentlich sollen diese Emissionen und Kraftstoff einsparen, indem sie zwischen Batteriebetrieb und Verbrennungsmotor wechseln. Doch in der Realität waren die CO2-Emissionen fast fünfmal so hoch wie offiziell angegeben.
Der Verbrauch steigt
Denn zwei Antriebssysteme erhöhen Gewicht und Verbrauch, gerade wenn man SUV wie den Lynk und Co 08 mit seinen 345 PS Systemleistung standesgemäß bewegt. Offiziell gibt der Hersteller einen Mini-Verbrauch von 0,9 Litern Sprit und 20,6 kWh Strom an. Doch auf der Autobahn nach Hamburg zeigt der Bordcomputer 28,6 kWh an – nach 73 elektrisch gefahrenen Kilometern und maximal 130 km/h.
Wenig später ist der Akku leer und der Benziner übernimmt. Nach 260 Kilometern Fahrstrecke hat sich der elektrische Durchschnittsverbrauch natürlich in Summe reduziert, auf nun 7,7 Kilowattstunden. Über weite Strecken lief der Benziner, angeblich mit 6,7 Litern Verbrauch.

Der 08 fährt nur in der Stadt viel elektrisch.
Geht das Konzept auf?
Der Ansatz von Lynk & Co ist gut gemeint. Mit der E‑Mobilität fremdeln viele Menschen noch. Plug-In-Hybride sollen den Einstieg erleichtern. Die Idee: Wenn PHEV bislang ein Kompromiss waren, dann machen wir den Akku eben so groß, dass auch weitere Strecken elektrisch funktionieren. Ein Verbrennungsmotor bleibt aber an Bord.
Damit bietet der Lynk und Co 08 zweifellos viel Freiheit. Nach dem Test rücken zwei Punkte in den Fokus: Wie viel elektrische Reich weite ein Plug-in-Hybrid wirklich braucht – und ob zwei Motoren im Alltag tatsächlich die beste Lösung sind.




