AutoDer Mustang mit der Note 2+

Ein Auto, das nicht nur fährt, sondern auf der Auto­bahn zeit­weise selbst lenkt, bremst und beschleu­nigt und das, während die Person am Steuer die Hände sogar in den Schoss legen darf: Der Ford Mustang Mach‑E zeigt, wie sich auto­ma­ti­siertes Fahren heute im Alltag anfühlt.

Der Name Mustang weckt Erwar­tungen: V8-Motor, lange Motor­haube, Hinter­rad­an­trieb und der unver­wech­sel­bare Klang ameri­ka­ni­scher Muscle Cars. Der Mustang mit dem Nach­name Mach‑E bricht mit all diesen Tradi­tionen. Statt einem Sport­wagen steht ein voll­elek­tri­sches SUV auf dem Park­platz – geräumig, leise und erstaun­lich komfor­tabel.

Ein Mustang, der mit allen Tradi­tionen bricht.

Die Fans der klas­si­schen Baureihe mögen darüber streiten, ob der Name passt. Fakt ist: Der Mach‑E gehört inzwi­schen zu den tech­nisch inter­es­san­testen Autos seiner Klasse. Nicht unbe­dingt auf Seiten des elek­tri­schen Antriebs, wohl aber im Bereich des auto­ma­ti­sierten Fahrens.

Alltags­taug­lich und Reich­weiten-stark

Kurz zu den tech­ni­schen Eckdaten: Je nach Batterie- und Antriebs­ver­sion bietet Ford Reich­weiten von über 600 Kilo­me­tern nach WLTP. Die Preis­liste beginnt bei knapp über 56.500 Euro. Aller­dings ist das beim Mach‑E kein Fixpreis: In der Vergan­gen­heit wurde mehr­fach an der Preis­schraube gedreht, mal wurde das Elektro-SUV güns­tiger, dann wieder deut­lich teurer. Gut ausge­stattet über­schreitet gerade die Allrad-Version gerne die Grenze von 70.000 Euro. Förder­be­rech­tigt ist der Stromer trotzdem.

Reich­weite nach WLTP
des Ford Mustang Mach‑E

Die Lade­leis­tung ist bei allen Modellen gleich: Mit maximal 150 kW ist der Akku in gut einer halben Stunde von 10 auf 80 Prozent gefüllt. An der heimi­schen Wallbox braucht der Akku bei 11 kW sieben bis acht Stunden für eine voll­stän­dige Ladung. Im Alltag über­zeugt der Mach‑E mit einem groß­zü­gigen Raum­an­gebot, einem ebenen Fahr­zeug­boden und einem zusätz­li­chen Koffer­raum unter der Front­haube. Prak­tisch: In diesen soge­nannten „Frunk“ passen nicht nur die nassen Lade­kabel, sondern auch mal die dreckigen Schuhe.

Auto­ma­ti­siertes Fahren nur im Abo

Doch die eigent­liche Beson­der­heit dieses Fahr­zeugs verbirgt sich nicht im Antrieb, sondern in seiner Soft­ware. Denn Ford bietet für den Mach‑E das System Blue­Cruise an – einen der wenigen in Europa verfüg­baren Auto­bahn­as­sis­tenten, bei dem der Fahrer die Hände zeit­weise voll­ständig vom Lenkrad nehmen darf.

Das System kostet derzeit 24,99 Euro pro Monat. Denn Blue­Cruise gibt es nur im Abon­ne­ment. Nach einer 90-tägigen, kosten­losen Test­phase müssen Kundinnen und Kunden entscheiden, ob die Funk­tion den monat­li­chen Aufpreis wert ist. Damit geht Ford einen anderen Weg als Hersteller, die einen einma­ligen Aufpreis beim Fahr­zeug­kauf verlangen.

Aktuell gibt es Blue­Cruise nicht nur im Mustang Mach‑E, …

… sondern auch im Kuga, …

… Puma …

… und Ranger.

Frei­hän­diges Fahren auf Knopf­druck

Im Alltag ist die Bedie­nung erfreu­lich unkom­pli­ziert. Auf einer frei­ge­ge­benen Auto­bahn genügt ein Knopf­druck am Lenkrad.

Erkennt das System die Strecke als geeignet, erscheint die Frei­gabe im Display.

Dann können die Hände vom Lenkrad genommen werden (im Engli­schen heißt die Funk­tion „hands-free“).

Der Mustang hält selbst­ständig die Spur, passt die Geschwin­dig­keit an Tempo­li­mits und Verkehrs­fluss an und hält zuver­lässig den Abstand zum voraus­fah­renden Fahr­zeug. Stau, zähflie­ßender Verkehr oder lange Auto­bahn­etappen verlieren dadurch einen großen Teil ihres Stress­po­ten­zials.

Gerade dieses frei­hän­dige Fahren verän­dert den Eindruck hinter dem Steuer stärker, als man zunächst vermutet. Nach den ersten Minuten legt sich die Nervo­sität und anfäng­liche Skepsis.

Statt beide Hände perma­nent am Lenkrad zu halten, kann der Fahrer oder die Fahrerin deut­lich entspannter sitzen, die Arme auf der Mittel­kon­sole oder den Ober­schen­keln ablegen und die Fahrt deut­lich gelas­sener verfolgen. Vor allem auf und nach langen Auto­bahn­etappen macht sich das bemerkbar. Nach zwei oder drei Stunden am Steuer steigt man spürbar weniger verspannt aus.

Das „Mach“ im Ford Mustang Mach‑E ist eine Anspie­lung auf den Begriff „Mach“ aus der Luft­fahrt. Die Mach-Zahl beschreibt das Verhältnis einer Geschwin­dig­keit zur Schall­ge­schwin­dig­keit – Mach 1 entspricht der Schall­ge­schwin­dig­keit. Ausge­spro­chen wird „Mach“ wie „Mack“ und nicht wie das deut­sche Wort „mach“, auch wenn sich die Mach-Zahl nach dem öster­rei­chi­schen Physiker Ernst Mach benennt. Gleich­zeitig knüpft der Name an den legen­dären Mustang Mach 1 (1969–1971) an und soll die sport­liche Tradi­tion sowie den Perfor­mance-Anspruch des elek­tri­schen Modells unter­strei­chen.

Mensch bleibt in der Pflicht

Ganz ohne Kontrolle geht es aller­dings nicht. Eine Infra­rot­ka­mera über­wacht konti­nu­ier­lich den Blick des Fahrers. Schon wer längere Zeit in den Spiegel oder auf das Navi-Display schaut, wird zunächst optisch, anschlie­ßend akus­tisch zum Aufpassen aufge­for­dert. Reagiert der Fahrer oder die Fahrerin nicht, deak­ti­viert sich das System. Das funk­tio­niert im Test zuver­lässig und sorgt dafür, dass trotz frei­hän­digen Fahrens jeder­zeit klar bleibt: Die Verant­wor­tung bleibt beim Menschen.

Auch fahr­dy­na­misch hinter­lässt der Mach‑E einen posi­tiven Eindruck. Die direkte Beschleu­ni­gung des Elek­tro­an­triebs sorgt für souve­räne Zwischen­spurts, Über­hol­ma­növer gelingen mühelos. Gleich­zeitig ist das Fahr­werk eher komfor­tabel als sport­lich abge­stimmt. Uneben­heiten werden gut wegge­fil­tert, ohne dass das SUV schwammig wirkt.

Der Mach‑E fährt sich sehr gut.

Die Lenkung arbeitet präzise, wenn auch etwas leicht­gängig. Das hohe Fahr­zeug­ge­wicht macht sich in engen Kurven bemerkbar, im Alltag über­wiegt jedoch eindeutig der Komfort. Die gute Geräusch­däm­mung trägt zusätz­lich dazu bei, dass es im Innen­raum auch bei Auto­bahn­tempo ange­nehm leise bleibt.

Die präzise Lenkung ist nicht nur in der Stadt von Vorteil.

Spur­wechsel und auto­ma­ti­sierte Über­hol­ma­növer fehlen

Perfekt ist Blue­Cruise dennoch nicht. Im Vergleich zum System von BMW (Test im Video hier) wirkt der Funk­ti­ons­um­fang doch einge­schränkt. Der Mustang wech­selt weder selbst­ständig die Spur noch über­holt er lang­sa­mere Fahr­zeuge eigen­ständig. Auch eine auto­ma­ti­sche Navi­ga­tion inklu­sive Spur­wahl beherrscht das System nicht. Wer einen Lkw über­holen möchte, muss also selbst lenken, den Spur­wechsel durch­führen und anschlie­ßend Blue­Cruise erneut akti­vieren. Gerade hier zeigt sich, wie schnell man sich an die Entlas­tung gewöhnt: Nach wenigen Stunden wünscht man sich auto­ma­tisch mehr.

Dennoch funk­tio­niert das, was Ford verspricht, ausge­spro­chen zuver­lässig. Das Fahr­zeug hält sauber die Spur, fährt harmo­nisch und vermit­telt jeder­zeit Vertrauen. Statt hekti­scher Lenk­kor­rek­turen arbeitet das System ruhig und vorher­sehbar.

Das Auto hält, was Ford verspricht. Das Blue­Cruise-System funk­tio­niert gut.

Fazit: Unterm Strich ist der Mustang Mach‑E damit weit mehr als nur ein weiteres Elektro-SUV. Er verbindet ein groß­zü­giges Platz­an­gebot, gute Reich­weiten und moderne Antriebs­technik mit einem Assis­tenz­system, das den Alltag auf der Auto­bahn spürbar leichter macht. Wer häufig Lang­strecke fährt, dürfte sich schnell an das frei­hän­dige Fahren gewöhnen – und sich anschlie­ßend fragen, warum nicht jedes Auto das kann.

Blick in die Zukunft

Mercedes und Tesla wollen noch eine Stufe weiter gehen: 2++ heißt das dann. Mit dem zweiten Plus ist die soge­nannte „letzte Meile“ gemeint, also dass die Hände nicht nur auf der Auto­bahn, sondern auf allen Straßen in den Schoß gelegt werden können. Mercedes möchte damit Ende des Jahres in München und Stutt­gart starten, bei den Stutt­gar­tern heißt das System MB.DRIVE ASSIST PRO.

Mercedes nennt sein System MB.DRIVE ASSIST PRO.

Teslas Voll-Selbst­stän­diges Fahren (über­wacht) hat in den USA schon Millionen Meilen abge­spult, einzelne Fahr­zeuge sind über 30.000 Kilo­meter am Stück und ohne manu­ellen Eingriff gefahren. In Europa gibt es bisher die Zulas­sung nur für die Nieder­lande, Litauen und Estland.

Was bedeutet auto­ma­ti­siertes Fahren der Stufe 2+?

Beim auto­ma­ti­sierten Fahren wird inter­na­tional zwischen fünf Stufen unter­schieden.

umfasst einfache Assis­tenz­sys­teme wie einen Tempo­maten oder einen Spur­hal­te­as­sis­tenten, die jeweils nur einzelne Aufgaben über­nehmen.

kombi­niert mehrere Funk­tionen: Das Fahr­zeug kann gleich­zeitig selbst­ständig lenken sowie bremsen und beschleu­nigen, der Fahrer muss aber die Hände am Lenkrad behalten und jeder­zeit eingreifen können.

gibt es zwar offi­ziell nicht, der Begriff hat sich in der Branche jedoch für Systeme etabliert, die auf bestimmten Stre­cken das Fahren ohne Hände am Lenkrad ermög­li­chen. Im engli­schen heißt die Funk­tion „hands-off“. Der Fahrer bleibt dabei perma­nent verant­wort­lich und muss den Verkehr aufmerksam beob­achten.

geht einen Schritt weiter: Das Fahr­zeug über­nimmt die Fahr­auf­gabe unter bestimmten Bedin­gungen voll­ständig, der Fahrer darf sich zeit­weise anderen Tätig­keiten widmen, muss jedoch auf Auffor­de­rung wieder über­nehmen.

ermög­licht voll­au­to­ma­ti­siertes Fahren in klar defi­nierten Einsatz­be­rei­chen, etwa in bestimmten Städten oder auf fest­ge­legten Routen.

beschreibt das voll­ständig auto­nome Fahr­zeug, das ohne Fahrer und ohne Lenkrad auskommen könnte. Solche Fahr­zeuge sind derzeit noch Zukunfts­musik.

Blue­Cruise ist aktuell nur auf frei­ge­ge­benen Auto­bahn­ab­schnitten nutzbar, soge­nannten Blue Zones. In Deutsch­land sind laut Ford 95 Prozent der Auto­bahnen solche Blue Zones, in Europa spannen sie sich von Portugal bis Finn­land, von Irland bis nach Grie­chen­land. In der Schweiz ist die Verwen­dung von Blue­Cruise dagegen aktuell nicht erlaubt. Auf Land­straßen, inner­orts oder nicht kartierten Auto­bahn­ab­schnitten funk­tio­niert die Frei­hand-Funk­tion nicht – dort arbeitet ledig­lich der normale adap­tive Tempomat mit Spur­hal­te­as­sis­tent.


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