„Kann passieren, regeln wir.“ Hinter diesem ACE-Versprechen stehen Menschen, die dann zur Stelle sind, wenn andere nicht mehr weiterkommen. Zwei von ihnen sind Isabel und Andreas Hanf-Kudla. Mit ihrem Familienbetrieb helfen sie Menschen in Ausnahmesituationen – rund um die Uhr, zwischen Pannenhilfe, Familienleben und der Verantwortung für die nächste Generation.
Das Telefon kennt keine Uhrzeit. Es klingelt beim Mittagessen, nachts um drei oder mitten in einem Familienfest. Für Isabel Hanf-Kudla gehört das zum Alltag. Wer einen Abschlepp- und Pannendienst mitführt, kennt selten wirklich Feierabend. Sie und ihr Team organisieren Hilfe für Menschen, die mit einer Panne am Straßenrand liegen bleiben oder nach einem Unfall nicht mehr weiterkommen.
Ein Alltag zwischen Notrufen, Familienleben und Verantwortung. Und einer, den die junge Unternehmerin seit ihrer Kindheit kennt.
Vom Hörsaal auf den Betriebshof
Eigentlich träumte Isabel von einer Karriere in der Tiermedizin. Der Studienplatz an der Universität Heidelberg war ihr sicher. Das Semester begann. Und sie erschien nicht. „Sie ging einfach nicht hin“, erinnert sich ihr Vater Erich Hanf schmunzelnd. Kurz darauf bekam er Besuch von der Industrie- und Handelskammer. „Ich dachte erst an einen Vertreter“, erinnert er sich. „Dann sagte er mir, er sei von der IHK und meine Tochter wolle den Betrieb übernehmen. Ich wusste von nichts.“

Was folgte, passt zu dem Ehrgeiz, der Isabel auszeichnet. Um selbst die schweren Abschlepp- und Bergefahrzeuge fahren zu können, absolvierte sie heimlich den Lkw-Führerschein. Am 1. April präsentierte sie ihrem Vater schließlich das Dokument. Zunächst hielt er die Sache für einen Aprilscherz. Doch der Führerschein war echt. Genauso wie ihr Entschluss, die Zukunft des Familienunternehmens mitzugestalten.
Mehr als nur Tochter
„Mir war wichtig, dass die Kunden und Mitarbeiter sehen, dass ich es ernst meine“, sagt sie. In einer Branche, die stark von Männern geprägt ist, sei das keine Selbstverständlichkeit. Sie erlebe immer wieder, dass Frauen anders behandelt würden als Männer. „Man wird belächelt“, erzählt sie. Aufgeben war für sie trotzdem keine Option. Stattdessen setzte sie auf Fachwissen, Beharrlichkeit und die Bereitschaft, sich jede Anerkennung selbst zu erarbeiten.
Heute verbindet sie die Werte ihrer Eltern mit einer klaren Modernisierung des Betriebs. Sie digitalisiert Abläufe, wertet Einsatzdaten aus und strukturiert Prozesse neu. Was früher auf Papier lief, ist heute digital organisiert. Für Isabel schließen sich Tradition und Zukunft nicht aus, sie gehören zusammen.
Wenn Verantwortung Familiensache wird
Und darauf ist Erich Hanf besonders stolz. Den Familienbetrieb, den er gemeinsam mit seiner Frau seit 1973 aufgebaut hat, irgendwann aufgeben oder in fremde Hände legen zu müssen, wäre für ihn „nicht das Wahre“ gewesen. Für Isabel war die Entscheidung einzusteigen eine Herzensangelegenheit. „Wir haben so viel aufgebaut. Das gibt man nicht einfach weg.“ Sie ist im Betrieb aufgewachsen, kennt Abläufe seit Kindheitstagen und beschreibt sich selbst mit einem Lächeln als „bestausgebildetes Pferd im Stall“. Vor allem eines haben ihre Eltern ihr mitgegeben: „Mit Fleiß und Engagement kann man viel erreichen.“ Doch der Preis ist hoch. Urlaub und Freizeit lassen sich zwar planen, sind aber jederzeit durch einen Einsatz unterbrechbar.
Das gilt umso mehr, weil inzwischen die ganze Familie eng mit dem Betrieb verbunden ist. Auch Isabels Mann Andreas fand seinen Weg ins Unternehmen, obwohl sein Berufsweg ursprünglich in eine ganz andere Richtung führte. Der gelernte Elektriker sattelte der Liebe wegen um und lernte das Abschleppgeschäft Schritt für Schritt kennen. „Anfangs begleitete ich meinen Schwiegervater zu den Einsätzen des ACE, weil mir die dafür benötigten Führerscheine und Qualifikationen noch fehlten“, erzählt er. „So konnte ich den Beruf in Ruhe kennenlernen.“
„Man hat viel Kontakt zu Menschen, ist ständig unterwegs und der Beruf ist abwechslungsreich.“
Andreas Hanf-Kudla
Dabei wurde Andreas gleich ins kalte Wasser geworfen. Einer seiner ersten Einsätze ist ihm lebhaft in Erinnerung geblieben. Es war Winter, die Straßen spiegelglatt. Gemeinsam mit seinem Schwiegervater rückte er mit dem Kranwagen aus, um ein Fahrzeug zu bergen, das von der Fahrbahn abgekommen war. Während der Bergung begann selbst der 18 Tonnen schwere Kranwagen trotz ausgefahrener Stützen auf der vereisten Fläche langsam den Hang hinunterzurutschen. „Für mich war das eine ziemlich brenzlige Situation“, erinnert sich Andreas. Sein Schwiegervater hingegen blieb gelassen. „Er hat einfach einen Keil unter die Räder geschoben und gesagt: ‚Das hält schon.‘“ Heute erzählt Andreas die Geschichte mit einem Schmunzeln. Für ihn steht sie für eine wichtige Erkenntnis: Im Abschleppgeschäft zählen Erfahrung und Ruhe genauso viel wie Technik und Muskelkraft.

Was als Unterstützung für die Familie begann, wurde schnell zur Leidenschaft. „Es hat mir Spaß gemacht. Man hat viel Kontakt zu Menschen, ist ständig unterwegs und der Beruf ist abwechslungsreich. Ein bisschen wie ein bunter Malkasten.“ Genau diese Mischung macht für Andreas bis heute den Reiz seiner Arbeit aus. Rund zehn Jahre nach seinen ersten Einsätzen ist er aus dem Familienbetrieb nicht mehr wegzudenken.
Während Isabel die Einsätze koordiniert und den Betrieb organisatorisch zusammenhält, übernimmt Andreas die Arbeit draußen auf der Straße. Bevor er losfährt, nimmt er Kontakt mit dem Mitglied auf. Oft reichen wenige Minuten am Telefon, um die Lage einzuschätzen. „Meist höre ich schon heraus, ob es eine Pannenhilfe wird oder ob abgeschleppt werden muss“, sagt er. Dadurch steht in den meisten Fällen sofort das passende Einsatzfahrzeug bereit. Vor Ort zeigt sich, ob die Fahrt mit wenigen Handgriffen weitergehen kann oder ob das Fahrzeug auf den Haken muss. So wie bei einem Einsatz am selben Tag: Das Diagnosegerät lieferte die ernüchternde Antwort – Motorschaden. „Da kann ich leider nicht mehr viel machen“, sagt Andreas. Für das Fahrzeug ging die Fahrt deshalb direkt weiter in die Werkstatt.

Nur wenn Not am Mann ist, fährt auch Isabel noch selbst raus. „Aber LKW fahre ich nicht mehr, zumal wir zwei kleine Kinder haben und das Dritte ist gerade unterwegs. Das Rausfahren, gerade auf der Autobahn, kann schnell gefährlich werden.“
Wenn Retter ausgebremst werden
Die Gefahr geht dabei längst nicht mehr nur vom dichten Verkehr oder schwierigen Bergungssituationen aus. Auch der Umgang auf den Straßen hat sich verändert. Was früher oft von Verständnis und Rücksicht geprägt war, wird heute zunehmend von Hektik, Ungeduld und Aggression begleitet. „Ich finde das erschreckend“, sagt Isabel besorgt. Rettungsgassen bleiben aus, Einsatzfahrzeuge werden blockiert und Helferinnen und Helfer angefeindet. Auch Andreas hat solche Situationen erlebt. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm ein Einsatz auf dem Weg zu einer Unfallstelle. Feuerwehr und Rettungsdienst waren bereits vor Ort, doch statt freier Fahrt musste er sich zunächst durch den Verkehr kämpfen. „Ich musste mich erst einmal durchhupen, weil mir niemand Platz gemacht hat“, erinnert er sich. Was danach geschah, machte ihn sprachlos: „Dann sind tatsächlich noch zwei Männer ausgestiegen und haben mich beschimpft.“
Hinter den Kulissen der ACE Pannenhilfe
Für Andreas ist das mehr als eine unangenehme Erfahrung. Es ist ein Beispiel dafür, wie sich der Umgang mit Einsatzkräften verändert hat. Selbst mit denen, die eigentlich gekommen sind, um zu helfen.
Zwischen Küchentisch und Abschleppwagen
Wer täglich mit Notfällen, Unfällen und den Sorgen anderer Menschen konfrontiert wird, nimmt nicht jeden Einsatz gleichgültig mit nach Hause. Deshalb haben gemeinsame Rituale einen festen Platz im Familienalltag bei den Hanf-Kudlas. Besonders das Mittagessen ist für sie mehr als eine Pause zwischen zwei Einsätzen. „Ich koche meistens, wir sprechen ein Tischgebet, essen zusammen und erzählen uns vom Tag“, sagt Isabel. Doch nicht alles wird zwischen Suppe und Hauptgericht besprochen. Manche Erlebnisse brauchen Zeit. Vor allem schwere Einsätze beschäftigen die Familie auch über den Arbeitstag hinaus. „Solche Themen besprechen wir dann wirklich erst abends“, erzählt Isabel.
„Wir sind so viel mehr.“
Isabel Hanf-Kudla
Einer der Einsätze, der Isabel und Andreas bis heute nahegeht, begann mit einem verschlossenen Transporter. Hinweise deuteten darauf hin, dass sich ein Tier im Inneren befand. Als Andreas das Fahrzeug öffnete, fanden sie eine völlig entkräftete Hündin vor. „Der Hund war vier Tage im Transporter eingesperrt. Ohne Wasser. Ohne Essen. Hat in seinem eigenen Kot geschlafen,“ erinnert sich Andreas.
Als große Tierfreunde hofften sie, dem Tier noch helfen zu können. Doch die Hündin starb später an den Folgen ihres Zustands. Bis heute gehört dieser Einsatz zu den Momenten, die Isabel und Andreas besonders nahegegangen sind und die zeigen, dass ihre Arbeit nicht nur technisches Können, sondern oft auch viel menschliche Stärke abverlangt.

So unterschiedlich die Einsätze auch sind: Verantwortung spielt für die Familie Hanf-Kudla immer eine zentrale Rolle. Deshalb beobachten sie auch die Entwicklung ihrer eigenen Branche aufmerksam. Sorgen bereitet ihnen die zunehmende Zahl unseriöser Anbieter, die mit Dumpingpreisen werben und den Eindruck erwecken, professionelle Abschlepparbeit sei zum Schnäppchenpreis möglich. „Viele sehen nur den günstigsten Preis“, sagt Isabel. Was dabei oft übersehen werde: Professionelle Abschlepp- und Pannenhilfebetriebe investieren in moderne Spezialfahrzeuge, Versicherungen, Schulungen und die Qualifikation ihrer Mitarbeitenden. „Diese Dienstleister sind mit uns Fachkräfte nicht zu vergleichen“, sagt Isabel deutlich. Wer Menschen in einer Notsituation helfen wolle, trage Verantwortung und die beginne lange vor dem eigentlichen Einsatz.
Die unsichtbaren Retter
Dass Abschleppunternehmen häufig auf das Umsetzen von Falschparkern reduziert werden, ärgert sie deshalb besonders. „Dabei sind wir so viel mehr.“ Wer mit einer Panne auf der Autobahn strandet oder nach einem Unfall Hilfe benötigt, erlebt die Branche aus einer anderen Perspektive. Abschlepp- und Pannenhelferinnen und ‑helfer sorgen dafür, dass Menschen sicher weiterkommen, Unfallstellen geräumt werden und der Verkehr wieder fließt. „Im Prinzip sind wir auch Retter“, sagt sie. Ein Beruf, der meist erst dann sichtbar wird, wenn nichts mehr geht.
Ob die nächste Generation eines Tages übernimmt, ist offen. Berührungspunkte gibt es jedenfalls schon heute: Die Tochter kennt den ACE bestens, der Sohn begleitet Andreas gelegentlich zu Einsätzen. Druck macht ihnen niemand. Was allerdings bleiben soll, sind die Werte, die Isabel selbst von ihren Eltern übernommen hat: Fleiß, Verlässlichkeit und Verantwortung für andere. Und vielleicht beschreibt deshalb kein Satz die Haltung der Familie besser als das Motto, das sie jeden Tag lebt: „Kann passieren. Regeln wir.“
Tag der Pannenhilfe: Die Menschen hinter dem Notruf.
Täglich sind in Deutschland tausende Pannenhelferinnen und Pannenhelfer im Einsatz. Sie helfen Menschen nach Pannen, technischen Defekten oder Unfällen – bei jedem Wetter, rund um die Uhr und oft unter schwierigen Bedingungen.
Um diese Arbeit sichtbarer zu machen, hat der ACE Auto Club Europa den Tag der Pannenhilfe ins Leben gerufen. Er findet jährlich am 16. Juli statt und rückt die Menschen in den Mittelpunkt, die auf Straßen und Autobahnen schnelle Hilfe leisten.
Der Aktionstag würdigt ihren Einsatz und erinnert zugleich daran, wie wichtig Rücksicht und Respekt gegenüber Einsatzkräften im Straßenverkehr sind.
Weitere Informationen zur Pannenhilfe finden Sie hier.

